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Zu-E-Stein-Hölkeskamp-Das-archaische-Griechenland

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Elke Stein-Hölkeskamp: Das archaische Griechenland – Die Stadt und das Meer, München (Beck) 2015 [C.H. Beck Geschichte der Antike]. 302 S., € 16,95 (ISBN 978-3-406-67378-8).

Der anzuzeigende Band bildet den Auftakt einer sechsteiligen Reihe des Beck-Verlages zur antiken Geschichte, welche den Bogen vom archaischen über das klassische Griechenland sowie den Hellenismus zur römischen Republik und Kaiserzeit bis in die Spätantike spannt. In acht Kapiteln entwickelt Stein-Hölkeskamp (StH.) hierin die Geschichte des vorklassischen Griechenland zwischen dem 12. und 6. Jh. v. Chr. und erweitert damit den konventionellen Epochenansatz um das Ende der mykenischen Zeit bis über die ‚Dunklen Jahrhunderte‘ hinweg. Die Vorstellung von einer Primitivisierung nach dem Niedergang der Paläste und einer Renaissance im 8. Jh. wird im Lichte anwachsenden archäologischen Materials aus der nichtliterarischen Zwischenzeit ebenso aufgegeben wie die Annahme eines linearen und überall parallel laufenden Prozesses, der bruchlos und im Sinne einer Kausalkette notwendig von den homerischen Helden über Solon zu Sokrates, von Adelsherrschaft und Tyrannis zur attischen Demokratie, von der Archaik als Vorgeschichte zur Klassik als Höhepunkt und Abschluß führte; vielmehr zeigen sich in regional versetzten Phasen Kulturkontinuitäten wie -brüche, geht der Weg vom Fürstenpalast Homers zur Polis, vom ansässigen Bauern zum Kolonisten und Bürger in einem Nebeneinander von Handlungssequenzen, welche vormals in kontinuierlicher Abfolge gesehen wurden (S. 12-14).

Die einzelnen Kapitel fügen sich einer gemeinsamen Ordnung: nach einer einleitenden Passage, welche durchweg die frühe griechische Dichtung, aber auch Philosophie oder Herodot sprechen läßt, wird der systematische, Groß-Hellas zusammenschauende Hauptteil der Darstellung durch Fallstudien unterlegt, die am Beispiel der Mikrogeschichte einzelner Poleis Entwicklungen diachron nachzeichnen und – über die bestbezeugten Athen und Sparta hinaus – den geographischen Rahmen auf das ‚andere Griechenland‘ hin weiter abstecken, abgeschlossen wiederum durch ein Fazit, welches die Eingangs- bzw. Grundüberlegungen unterstreicht und dabei Ergebnisse der Fallstudien mit einbindet. Überdies werden die auf die Kapitel verteilten gesellschaftlichen Gruppen in den Fallstudien zusammengeführt, in deren Rahmen sie wiederum als kooperierende oder konkurrierende dramatis personae den Werdegang ihres Gemeinwesens auf je eigene Weise gestalten. Die ersten beiden Abschnitte nehmen einen gemeinsamen Bezugspunkt und beleuchten ihn aus unterschiedlicher Quellensituation und zeitlicher Perspektive: die Palastanlagen, für welche namengebend diejenige des festländischen Mykene wurde, erlebten ihre Blütezeit im 14./13. Jh. und standen ihrerseits unter dem Einfluß der jüngeren minoischen Zivilisation auf Kreta (17.-15. Jh.). Neben den architektonischen Zeugnissen etwa von Pylos und Tiryns auf der Peloponnes, Theben in Boiotien, Jolkos in Thessalien sowie zahlreicher ‚mykenischer‘ Siedlungen außerhalb dieser Zentren (und von unterschiedlicher Ausdehnung) geben insbesondere die Tontäfelchen des Linear-B Einblick in die hierarchische Struktur dieser den vorderasiatischen Stadtmonarchien ihrer Zeit verwandten, dazu untereinander wie ‚international‘ bestens vernetzten Gesellschaften, ihren sozialen Aufbau, ihr Wirtschafts- und Abgabensystem, ihr Gefolgschaftswesen (S. 25 f.). Mit dem Untergang der zentralistischen Hochkultur wurde eine Schrift offenbar entbehrlich, die Paläste verfielen unwiederbringlich, die Herrscherfiguren erhielten ihren Platz im Mythos. Gleichwohl ist eine submykenische Tradition und gar postpalatiale Blüte lokal wie politisch begrenzter, aber weiterhin auch überregional agierender Fürstentümer bis Mitte des 11. Jh. durch Keramikfunde und Grabbeigaben belegt. Erst ab etwa 1075 kann man aufgrund des Fehlens materieller wie schriftlicher Zeugnisse tatsächlich von ‚Dunklen Jahrhunderten‘ sprechen (S. 37), durch welche hindurch wiederum und entgegen einem kontinuierlichen kulturellen Fortschrittsprozess auf der Ebene der Grundstrukturen bescheidenere autonome Einheiten überdauerten und zum Fundament des gemeinsamen Polissystems werden konnten.

Die ‚Welten des Homer‘ auf der anderen Seite sind durch Alphabet und Schriftlichkeit geprägt, die Palastzeit Geschichte, ihre epische Darstellung in den spätmykenischen Lebensverhältnissen bereits durchzogen von den gesellschaftlichen Umbrüchen des 8. Jh.: Gegenstand indes sind noch die Machthaber der früheren Epoche in ihrem Ringen untereinander, gesehen mit den Augen einer neuen Zeit und ihres Aufbruchs. Im Vordergrund steht hierbei die Frage, ob und in welchem Maße diese literarisierten Textzeugen einer mündlichen Erzähltradition Aussage- und Quellenwert für die zeitgenössischen Gesellschaftsstrukturen haben, zu deren Legitimation sowohl eine Vergangenheit schaffen als auch eine gestalterische Zukunftsprojektion entwickeln (S. 60). Jedenfalls spielen Ilias wie Odyssee innerhalb der Polisrealität späterer Jahrhunderte und damit zur Zeit ihrer Verschriftlichung (S. 67), ist „in den Epen die Polis bereits allgegenwärtig“ (S. 79). Dies bestätigt sich in der Fallstudie der phäakischen Königsstadt Scheria (Od. 6 ff.), welche bereits das Verschmelzen monarchischer und polisdemokratischer Elemente zeigt (S. 95). Im Unterschied zur konventionellen Herangehensweise zieht StH. (S. 14) die Behandlung der frühgriechischen Kolonisation derjenigen der Polis vor, indem sie – literarische (Texte) und archäologische (Steine) Quellen gegeneinander abwägend – Migration nicht als Folge von demographischen und/oder ökonomischen Schwierigkeiten im Mutterland sieht, sondern das beidseitige Ringen der Gemeinschaften um auskömmliche Siedlungsstrukturen herausstellt: Kreativität im Aufbau und – phasenverschobene – Innovationserfahrungen in den einzelnen Neugründungen konkurrieren mit Reorganisationsprozessen, die sie bei den ‚Zurückgebliebenen‘ erst anstoßen, ein Lernfortschritt, welcher die Verbreitung neuer sozialer und politischer Modelle in der alten wie neuen Welt beförderte (S. 119 f.). Motive mögen Stáseis (Bürgerkriege), Streben nach neuen Handlungsspielräumen, bloße Abenteuerlust gewesen sein, von der Heimatgemeinde geplante Unternehmungen homogener Gruppen indes nur in Einzelfällen – die von StH. dann aber eingehend charakterisiert werden (S. 102 ff.). Der durchweg aristokratische Anführer (Oikístes) besorgt zugleich die kultische Legitimation in einem Gründungsmythos, und die Erwartungen dieser höchst mobilen (und zahlenmäßig kleinen) Gruppen wie ihre Erfahrungen jenseits der heimischen Oíkoi im Westen, an der Schwarzmeer- und nordafrikanischen Küste seit der Mitte des 8. Jh. dürften in den idyllischen nicht weniger als in den Horrorgeschichten der zeitgleichen homerischen Odyssee ihr poetisch-verschriftlichtes Echo gefunden haben.

Die stadtstaatliche, in sich geschlossene und mit je eigenen Institutionen, Normen und Identität ausgestattete Polis als Kult- wie politische Gemeinschaft (sowohl oligarchischer als auch demokratischer Variante) teilt sich mit anderen Poleis einen gemeinsamen geographischen wie kulturellen Raum; innerhalb dessen wettstreitet sie zugleich wirtschafts- und machtpolitisch – was Kriege als eine „typische Form der Interaktion zwischen Poleis“ miteinschließt (S. 124). Nach innen ist sie wiederum verzahnt mit einem bewohnten ländlichen Raum bzw. Hafenumland als unabdingbarem wirtschaftlichen Einzugsgebiet und binnenuntergliedert in Phylen, Demen und weitere Kleineinheiten (S. 135). Im Unterschied zu den hierarchisch aufgebauten und ständisch gegliederten frühen Hochkulturen findet die souveräne und selbstbestimmte Polisbürgerschaft ihren gemeinsamen Raum im urbanen Zentrum mit Agora, Verwaltungsgebäuden, Heiligtümern und Feststätten, wie sie sich (von der Autorin an zahlreichen Beispielen im Einzelnen belegt) seit dem 8. Jh. insbesondere in den Siedlungsgebieten des Westens herausbilden und von dort aus erst in die Poleis des Mutterlandes zurückwirken – nicht zuletzt im Zeugnis der schreibenden Zeitgenossen (S. 126 f.). Entwicklungslinien dieser autonomen soziopolitischen Einheiten mit periodisch wechselnden, aber sachbezogen zuständigen Ämtern, mit vorberatenden, geschäftsführenden und kontrollierenden Ratsorganen sowie mit beschlussfassenden Versammlungen der Vollbürger samt „geregelter Interaktion“ in der Öffentlichkeit der Agora vollzieht StH. in aller Vielfalt von der Königszeit in Ilias und Odyssee an (S. 140 ff.).

Auf das Konzept der Polis folgen in der Behandlung konsequent die tragenden Bevölkerungsgruppen: Bauern – Aristokraten – Bürger, eingelegt: die Tyrannis (S. 221-55). Das archaische Griechenland war ein bäuerliches, das von den Bauern bewirtschaftete Umland bildete Rückgrat und Basis der Kernsiedlungen (S. 159 f.). StH. beschreibt detailliert und in Anbindung an deren literarischen Widerhall soziale Strukturen sowie Lebens- und Arbeitsverhältnisse zunächst Regionen übergreifend, um sie dann für die überschaubare Umgebung des dichtenden Landwirts Hesiod (S. 170 f.) anhand einer Interpretation von dessen Werken und Tagen in der Fallstudie Askra (Böotien) punktgenau zu verifizieren. Krise und Bedrohung dieser Welt bereits seit dem 8. Jh. durch Erbrecht, Demographie und Klima, durch das Fehlen eines nennenswerten exportfähigen Handwerks wie Handels finden ihr Echo um 600 in den Reformen Solons, der Umgang der lokalen Führungsschicht (Basileís) damit in seinen Elegien (S. 182-84). Die als Gruppe offene, durch individuelle – ökonomische, soziale, moralische – Überlegenheitsmerkmale definierte (S. 188) Aristokratie maß sich untereinander in permanentem Wettbewerb, nach innen auf dem kultivierten und ‚netzwerkenden‘ Symposion, nach außen bei den panhellenischen Agónen – Fallstudie natürlich: Olympia – , die in den Siegerskulpturen künstlerische, in den Epinikien (Pindar) poetische Verarbeitung fanden (S. 201-04). Die Umbrüche der adligen (Fernhandel, Kriege, Stáseis), mit der bäuerlichen durchaus verwobenen Schicht spiegelt StH. in der Lyrik des 7./6. Jh. (Alkaios, Theognis), und Dichter wie Archilochos, Tyrtaios und Xenophanes bereiten (S. 218 f.) in ihren auf den Gemeinnutz zielenden Wertmaßstäben für eine bislang selbstbezogene Prominenz und deren tyrannischen Superlativ (S. 254) den Übergang zu einem Polisbürgertum vor. Neue Strukturen von Zugehörigkeit und Teilhabe an Entscheidungsprozessen auf kommunaler Ebene – so in Attika (S. 270-73) die Demen- und Phylenreform des Kleisthenes (509/08) – bereiten den Boden für das Zusammenspiel der politischen Einheiten in klassischer Zeit.

Ein ganz großes Plus dieses Buchs ist die konsequente Gliederung und der überall klare Aufbau. Der trotz zahlreicher Fachtermini auch für Nicht-Fachleute stets gut erklärte und flüssig aufzunehmende Text, von Karten, Zeichnungen und Abbildungen passend unterstützt, ist nicht ganz frei von Wiederholungen in Einzelnem, und mancherorts lässt ein ‚behagliches‘ „dieses … aber jenes auch“ eine wünschenswerte Klärung offen, doch vielleicht ist das in einem einführenden Handbuch nicht anders angebracht. Ein knapper Anmerkungsapparat (S. 279-82) belegt nahezu ausschließlich die in allen Kapiteln zahlreichen Textzeugen der (meist) zeitgenössischen griechischen Originale. Das Literaturverzeichnis ist gleichfalls kapitelweise aufgefaltet und stellt den Titeln (durchweg neueren Datums) jeweils einen kurz gefassten, informativen Forschungsbericht voran. Ein Namens- und Ortsregister beschließt diesen kundigen und lesenswerten Gang durch die frühe, eigenständige Phase hellenischer Geschichte zwischen Stadt und Meer.

Michael P. Schmude, Boppard

aus: FORUM CLASSICUM 58 (2015), S. 194-197.

Zu-Schulz-Walter-Griechische-Geschichte

Zu-Schulz-Walter-Griechische-Geschichte

Raimund Schulz / Uwe Walter: Griechische Geschichte – Bd. 1: Darstellung; Bd. 2: Forschung und Literatur. Berlin (de Gruyter) 2022 [Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 50]. 278 und 378 S., jeweils € 24,95 (ISBN 978-3 486-58831-6 und 978-3-11-076245-7).

aus: FORUM CLASSICUM 65 (2022), S. 393-395.

Diese Neubearbeitung des ersten Bandes zur Griechischen Geschichte von W. Schuller (1980 – dazu P. Siewert: HZ 236 [1983], S. 134; 62008) behält zum Einen die bewährte, dreigeteilte Konzeption der seit 1978 kontinuierlich wachsenden Reihe OGG bei: Darstellung – Grundprobleme und Tendenzen der Forschung – Quellen und Literatur. Zum Anderen betrachtet sie die weiträumigen Verflechtungen innerhalb des mediterranen Raumes und Griechenland im Rahmen wechselnder Großreiche der Antike (innerhalb der Reihe → Bd. 25 Geschichte Altvorderasiens 22011); Hauptstichworte sind Mobilität, Migration und Kolonisation, Krieg und Bundessysteme sowie die Entwicklung des Polis-Begriffes in seinen regionalen Modellen und Varianten. Dabei wird mit der Zeitspanne von ca. 800-322 v. Chr. die Epochengrenze zum Hellenismus gewahrt, welchen schon in der ursprünglichen Bandaufteilung H.-J. Gehrke (1990, 42008) fortgeführt hatte; voraufgehend Bd. 46 Die Entstehung Griechenlands (2020) – geplant 52 Die ägäische Welt. Troja, Kreta und Mykene – und ‚nach vorne‘ abrundend Bd. 22 Byzanz 565-1453 (42011). Zugleich führen die beiden zu besprechenden Teilbände die Entwicklung der Reihe von einem eher eurozentrierten Standpunkt zum Einbezug des auch außereuropäischen sowie prähistorischen Umfelds konsequent fort. Unter diesem Aspekt sollten gesellschaftliche Sachthemen wie Religion, Wirtschaft, Haus und Familie nicht unberücksichtigt (integriert in c. 2.2/3, s.u.), aber z.T. ausgeklammert bleiben und für sie auf die parallel angelegte Enzyklopädie der griechisch-römischen Antike EGRA verwiesen werden, um die übergeordneten politischen Strömungen in ihren – nicht zuletzt gedanklichen – Voraussetzungen, wechselseitigen Bedingt- und Abhängigkeiten umso profilierter herauszuarbeiten.

Der thematische Aufbau entspricht sich (bis auf Details – wichtig: Bd. 1, S. 175 ff. Ein bipolares Hellas?; Bd. 2, S. 130 ff. Konstruierte Identitäten = Mythen, Vergangenheitsfiktionen, Barbaren, Hellenen) in den Kernteilen von Band 1 und 2. Am Anfang stehen Traditionen und Lebensumwelt einer griechischen Geschichte hier, methodische Kategorien in Forschung und Studium dort. Danach gliedern vier Hauptkapitel, im Umfang beiderseitig abnehmend, den beschreibenden wie den problemorientierten Teil: Grundstrukturen und Basisprozesse – Facetten der griechischen Staatenwelt – Die Griechen machen große Politik (550-400) – Neue Machtkonstellationen und Transformationen des Politischen (400-322). Eine umfassende chronologische Übersicht, stimmig gegliedert in Naher Osten und Kleinasien – Griechische Halbinsel und Ägäis – Großgriechenland und der Westen (vertieft durch eine detailliertere zu Athen S. 129-131), ein den Kapiteln sachlich folgender Kartenteil (ohne den Alexanderzug), ein elementares Auswahlglossar sowie dieses ergänzende Namens- und Sachregister, ferner ethnische und geographische Indices machen bereits den ersten Teil zu einem auch eigenständig verwendbaren Handbuch. Den Forschungsüberblick des 2. Bandes beschließt als dritter Teil ein ausführliches Literaturverzeichnis, welches den Aufbau der ersten beiden nachvollzieht und begleitet, dazu erneut das o.g. dreifache Register mit gemeinsamen wie modifizierten Einträgen.

Der Erzählfaden setzt ein mit den bronzezeitlichen Ägäis-Kulturen am Rande des ‚Fruchtbaren Halbmonds‘ der Großmächte Ägypten, Babylon und der Hethiter. Dezentral, also ohne übergeordnete Führung in ihrem Binnenverhältnis zueinander organisiert, werden die minoisch-mykenischen Paläste als wirtschaftliche und politische Leitstruktur (mit der Verwaltungsschrift Linear B) nach 1050 von den sogen. ‚Dunklen Jahrhunderten‘ abgelöst. Deren Wechsel zwischen wandernd-pastoralen und sesshaft-agrarischen Lebensformen (und dem Übergang von Kupfer und Zinn zum Eisen als Gebrauchsmetall) mündet schließlich in die gemeinschaftlich verfassten Personenverbände der Archaischen Epoche (ab dem 8. Jh.). Der transregionalen Migration begrenzter Gruppen (nicht: ‚Stämme‘ im Sinne etwa einer ‚Dorischen Wanderung‘) entspricht die Ausbildung unterschiedlicher Dialekte eines früheren Griechisch sowie die adaptierende Übernahme der phönikischen zu einer griechischen Alphabetschrift. Bei aller Vielfalt lokaler Ausprägungen unter dem gemeinsamen Dach von Sprache, Schrift und sozio-kulturellen Praktiken, aber auch von Selbstdeutungen im Mythos – literarisiert im Epos – sprechen Texte ab dem 7. Jh. von ‚Hellenen‘. Demgegenüber werden im Forschungsband die Archaik als Epoche in Frage gestellt und chronologisch-lineare Narrative zugunsten kultureller Sachfelder dekonstruiert. In solche gliedert sich sodann auch die Darstellung: so der Oíkos als ordnungspolitischer Baustein eines sich ab 600 institutionalisierenden Gemeindekollektivs; Handelsnetze und Marktorientierung als ökonomischer Rahmen für Migration und Expansion; Schichtungen innerhalb der Pólis als soziale Distinktionen (Solon um 580 in Athen) zwischen aristokratischen Híppeis, bäuerlichen Zeugiten und besitzlosen Theten (darunter unfreie Schuldknechte und Sklaven). Der Polis in ihren Spielarten als Tyrannis, Oligarchie oder Demokratie (Syrakus, Sparta, Athen) stehen alternative Organisationsformen wie das Éthnos (Phoker), der Bundesstaat (Boiotien, Arkadien, Thessalien) oder kultisch zentralisierte Amphiktyonien (Delphi, Paniṓnion) gegenüber; zum Anderen und ohne eigene Staatsqualität hegemonial begründete Kampfbündnisse (Symmachien), so der Peloponnesische Bund (ab Mitte des 6. Jh.), der Attische Seebund (nach Salamis 480) oder (unter Philipp II. 337) der Korinthische Bund. Parallel dazu hier wie im Folgenden Forschungsbericht(e) in Bd. 2 aus Sicht des aktuellen historischen Diskurses.

Gestaltungsräume für Hellenische Geschichte sind Großregionen: für die Magna Graecia (Unteritalien und Sizilien), den „Mittleren Westen der griechischen Welt“ (S. 91), stehen Syrakus und Massilia. Das Mutterland (mit Delphi als religiösem Bezugspunkt) entwickelt im Athen des Kleisthenes und Perikles, in Sparta von Kleomenes I. bis Agesilaos II. (520-359) und während Thebens Dekade zwischen Leuktra und Mantíneia unter Epameinondas († 362) seine politisch-militärischen Triebkräfte. Korinth am Isthmos hat sich als Drehscheibe für Handel wie für Siedlungsbewegungen (insbes. gen Westen) zwischen wechselnden Ambitionen expansiver Mächte zu behaupten, während im Süden Kreta als Umschlagplatz in den Nahen Osten und Nordafrika von Beginn an eine relative Selbständigkeit und nach innen gerichtete Eigenentwicklung wahrt. Ein Netzwerk namhafter Poleis des Ostens, die im Rahmen mutterländischer Kolonisation seit ca. 1000 v. Chr. an der Küste Kleinasiens gegründet werden, repräsentiert Milet, Hafenstadt am Mäander und Knotenpunkt maritimer Verkehrsrouten: über das ionische „Venedig“ (S. 92) laufen die Wirtschaftsbeziehungen von Ägypten und der Levante durch den Bosporus bis zu den Apoikíen rund um das Schwarze Meer. Die mediterrane Weltbühne bestimmen griechische Poleis noch mit der gemeinsamen Abwehr einer Aggression aus dem Osten in den Perserkriegen, bevor sie sich in den innergriechischen Konflikten des Peloponnesischen Krieges und seiner nachfolgenden Parteiungen selbst ‚zerlegen‘ und nach dem Korinthischen Krieg einem wiedererstarkten Persien im allgemeinen ‚Königsfrieden‘ von 386 fügen müssen. Die Ausbreitung des Makedonenreiches seit etwa 350 unter Philipp II. führt die noch einmal auf Initiative Athens vereinten Griechenstädte in die Niederlage bei Chaironeía (338). Mit dem Zug seines Sohnes Alexander seit 334 gegen das Persische Großreich (Granikos, Issos, Gaugamela) – auch er ‚im Auftrag‘ des Korinthischen Bundes zur Sühnung der einstigen Verwüstungen an den Heiligtümern Griechenlands – sowie nach Ägypten und Indien und einem „letzten Aufbäumen“ griechischer Poleis im Lamischen Krieg unter Hypereides und Demosthenes († 322) schließt auch der hier skizzierte historische Abriss.

Mithin bieten Darstellungs- wie Forschungsteil – gemäß der Zielsetzung der gesamten Reihe – den angekündigten struktur- und grundlagenorientierten Epochenüberblick. In durchweg anregendem Sprachduktus wird hier ein kompakter, gleichwohl für Studierende wie Lehrende jederzeit gut verständlicher und angenehm lesbarer Zugriff auf den unterschiedlichen Werdegang griechischer Gesellschaften von der Bronze- und Palastzeit bis zu ihrer Neuausrichtung unter makedonischer Hegemonie vorgenommen.

Michael P. Schmude,  Lahnstein

Zu-J-Fündling-Philipp-II-von-Makedonien

Zu-J-Fündling-Philipp-II-von-Makedonien

Jörg Fündling: Philipp II. von Makedonien, Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Philipp von Zabern) Darmstadt 2014 [Gestalten der Antike, hg. v. M Clauss]. 230 S., € 29,95 (ISBN 978-3-8053-4822-5).

Philipp II., Sohn Amyntas‘ III. von Makedonien, Vater Alexanders d. Gr., nach dem Urteil antiker (Theopomp, frg. 27) wie moderner (Bengtson GG5) Historiker einer der bedeutendsten Herrschergestalten der Antike, wird bis heute zumeist aus dem Blickwinkel seines berühmten Sohnes gesehen, dessen eigentlicher Wegbereiter er durch sein Lebenswerk geworden ist: die Einigung der Balkanhalbinsel mitsamt Hellas unter makedonischer Hegemonie erst schafft die Grundlage für dessen Siegeszug bis in den Fernen Osten der damaligen Welt. Fündling (F.), der vor einigen Jahren (2008) bereits eine vergleichbare ‚Betrachtung‘ des römischen Kaisers Marc Aurel vorgelegt hat, folgt dem „König eines den Griechen als barbarisch geltenden Randvolkes“ (Badian, DNP) aus der Perspektive seiner eigenen Erfolgsgeschichte als charismatischem Staatsmann, intrigantem Diplomaten und genialem Militär eines kommenden, anwachsenden Imperium.

Wichtige Trümpfe in Philipps Hand waren zum Einen sein unmittelbarerer Handlungsspielraum aufgrund der monarchischen Herrschaftsstruktur gegenüber den demokratisch verfassten Poleis Mittelgriechenlands – wobei auch bei denen die Grenzen zwischen Oligarchie und partizipierender Demokratie fließend waren, selbst innerhalb der gleichen Polis – , zum Anderen sein größeres Handlungspotential aufgrund größerer Menschenmenge quā Bevölkerungszahl. Mittel der Realpolitik waren ihm Heiraten innerhalb der durch ein (gleichberechtigtes) Mehr-Frauen-System (S. 16) weitverzweigten eigenen und Adelsfamilien sowie Bündnisse und Verträge, deren Gültigkeit ihren Nutzen für den Tag kaum überdauerten. Makedonien als umrissene geographische Größe bleibt dabei ähnlich unklar wie das zahlenmäßige Aufkommen von Makedonen, Paionen, Dardanern … Den Weg vom rohen, zersiedelten Bergvolk, politisch kaum führbar, zur straff durchregierten, wegen der hinzugewonnenen Masse expandierenden Hegemonialmacht, zum Reich einer Größenordnung, die freiheitliche Gesellschaftsstrukturen schlicht sprengen müßte, zeichnet F. in drei Stationen nach: Ein achtbarer Aufstieg (S. 13-62), Grenzüberschreitung (S. 63-112), Zu groß für den Frieden (S. 113-82). Wesentliche Quellen für diesen Kampf, welcher auf der anderen Seite derjenige um die Eigenständigkeit der freiheitlichen griechischen Poleis war, sind die politischen Reden von Philipps großem Athener Gegenspieler Demosthenes oder die Bibliothek (16) des epigonenhaften Sammlers Diodorus Siculus (S. 174-76; 208).

Die Anfänge „Am Rande der Barbarei“ indes waren im Vergleich mit den eben auch wirtschaftlich und sozial entwickelten Stadtstaaten mehr als kümmerlich: eine eigene städtische Infrastruktur mit (z.B. metallverarbeitendem) Handwerk und Technik, an der Küste mit Anbindung an den Fernhandel war kaum vorhanden (die Städte an der Ägäis waren eigenständige griechische), die geographische Situation bot (beengte) Verkehrswege zu Wasser und Land für den lokalen Handel, aber dem fruchtbaren Küstengebiet Niedermakedoniens am Thermäischen Golf (um die Mündungen des Haliakmon und Axios) fehlten gute Häfen ebenso wie eine verkehrsmäßige Anbindung des obermakedonischen Hochlandes im Westen, während im Süden die Bergpässe des Olymp den Landweg nach Griechenland erschwerten. All dies ergab eine starke Regionalisierung des makedonischen Königreiches, weitläufig jeweils, aber ineffektiv, kaum einzunehmen, geschweige denn zu beherrschen (S. 18). Die politische Struktur beruhte mithin auf einem System persönlicher Loyalitäten zwischen einer Oberschicht und dem Königshaus, welche der ‚gewordene König‘ sich durch Vergabe von Ämtern, Privilegien und Geschenken erst sichern, diese dann aber auch weiterhin erwirtschaften mußte. Anerkannt wurde sein Machtanspruch von der Mehrheit der waffentragenden Männer, der Heeresversammlung, gegründet war der allerdings nicht auf eine geregelte Erbfolge, sondern auf genealogische Verbundenheit mit seinen Vorgängern (S. 15). Söhne aus unterschiedlichen Ehen stellten eher eine Komplikation dieser Erbfolge dar als eine Sicherung der Herrschaft durch entsprechende Stammhalterschaft; und Töchter – brauchte der makedonische Regent in zumindest hinreichender Zahl, um die notwendigen Handels- wie Militärbündnisse mit auswärtigen Fürsten wie einheimischen Adelssippen absichern zu können (S. 27). Vorhanden war Alles und reichlich: Raum, Menschen, Rohstoffe, Thronfolger; was fehlte, war: Struktur, Bindung, eine Idee – und damit: Produktivität, Erfolg und Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund schildert F. die Abfolge der makedonischen Herrscherhäuser seit ihrem Eintritt ins Blickfeld der griechischen Geschichte, namentlich am Rande der Perserkriege und in der Folge des Ringens zwischen Athen und Sparta (später noch Theben) um die Vormacht im griechischen Mutterland des 5./4. Jh. Der Dynastiegründer Alexander I. (497 ff.) beanspruchte mit der genealogischen Rückführung auf den Herakliden Temenos, König von Argos, Hellenizität für die Königsliste der Argeaden; dabei hatte ihre historische Stellung bestenfalls zu einer Art Satrapie unter dem persischen Großkönig Dareios 490 v. Chr. für Amyntas I. (zwischen Olymp und Haimos-Gebirge) gereicht (S. 22). Lavieren zwischen wechselnden Verbündeten war von Beginn an wesentliches Merkmal makedonischer Außen- und Sicherheitspolitik. Erst Archelaos I. stellt sich, nach und trotz der Katastrophe der Sizilischen Expedition (413 v. Chr.) im Peloponnesischen Krieg, konsequent an die Seite Athens, schafft ein Wegenetz in das bisher eher lose angebundene Obermakedonien, verlegt den Königssitz von Aigai nach dem Hafenort Pella und holt überdies athenische Kunstschaffende wie den Maler Zeuxis oder den Tragiker Euripides ins Land. Die Strukturmaßnahmen des Archelaos werden fortgesetzt von Einem aus der weitergehenden Enkelgeneration, welcher die Konsolidierung der zerfaserten Großregion zu einem kontinenten Machtgebilde vorantreibt und dabei auch die Öffnung nach Süden im Auge behält, allerdings nicht allein aus der Kultur– (auch er wird mit Anaximenes von Lampsakos und Aristoteles hellenische Philosophen als Prinzenerzieher und zur Betonung seines ‚Griechentums‘ an den Hof holen, S. 121 f.), sondern nunmehr auch mit einer klaren Machtperspektive – Philipp, dritter Sohn aus der zweiten Ehe seines Vaters mit der Lynkester-Prinzessin Eurydike …

Am Anfang aber stehen Lernzeiten als Geisel: bei den Illyrern (für seinen Vater) in sportlich-militärischer, im Theben des – ihn prägenden – Epameinondas (für seinen ältesten Bruder Alexander II.) in politisch-gesellschaftlicher Hinsicht; Böotien als strategisches Zentrum Griechenlands bot ihm gleichwohl als Bildungsstätte einen Platz, von wo aus er die Krisen der 360ger Jahre, in welchen seine älteren Brüder und deren konkurrierende Prätendenten untergingen, in Sicherheit beobachten konnte: das Ringen Athens und Thebens um die Hegemonie, Auseinandersetzungen mit dem Chalkidischen Bund und die Unabhängigkeitsbestrebungen Thessaliens, Griff nach den persisch okkupierten Inseln und Griechenstädten Kleinasiens. Und nach Niederlage und Tod seines Bruders Perdikkas III. in einem regionalen Gefecht gegen den (verwandten) Illyrerfürsten Bardylis einigte sich die engere Königsfamilie auf die „Notbesetzung“ (S. 42 ff.), um die von Thrakien bis Athen verstreute Sippschaft aus den Thronwirren herauszuhalten.

Der ging die Gefahrenherde auf gewohnte Weise an: den thrakischen Patron stellte er durch Bestechung ruhig, den ältesten Halbbruder aus erster Ehe durch Mord, die Einigung mit Athen 359 (zulasten von dessen makedonischen Aspiranten) bot Freiraum für eine wegweisende Modernisierung des Heeres; Paionen und die von Bardylis (s.o.) besetzten Gebiete Obermakedoniens wurden per Blitzkrieg überrumpelt. Zum Schutz seines Kernlandes in der Küstenebene schuf Philipp ein Bündnissystem an den Grenzen – durch Heiraten, als dritte mit einer Fürstentochter der Molosser, nachmals Olympias, als vierte mit einer thessalischen Aristokratin: die Idee, mit wachsenden Ressourcen gleich ganz Hellas zu beherrschen (S. 49), mag hier geboren sein. Sein erstmals expansives Eingreifen im 3. Heiligen Krieg (um Delphi) gegen die Phoker und auf seiten Thebens zielt weiterhin auf Sicherung eines eigenen, unabhängigen Zugangs zum Meer; nach Amphipolis (an der Mündung des Strymon) 357 fällt 354 Methone am Golf von Thermai. In den thessalischen Wirren ergreift er Partei für den Familienverbund der Aleuaden und gegen die Tyrannen von Pherai und wird nach seinem Sieg auf dem ‚Krokosfeld‘ (352) Tagós, Oberbefehlshaber des Thessalischen Bundes. 351 beginnt die Unterwerfung der Fürsten Thrakiens (bis 341, S. 126 f.). In Athen wächst eine Friedenspartei, die auf Arrangement mit dem Makedonen drängt – ihr Hauptgegner: Demosthenes, der in diesem Jahr seine erste Philippische Rede hält. Die Niederwerfung der mit Athen verbündeten Chalkidike 348 findet ihren erbitterten Widerhall in dessen Olynthischen Reden (S. 77). Mit der Kapitulation der Phoker wird Philipp 346 Teil der Delphischen Amphiktyonie; minutiös verfolgt F. (S. 90 ff.) dessen ganzes diplomatisches Geschick in den Verhandlungen mit Athen (samt der fragwürdigen Rolle des Aischines wie Demosthenes), welche einstweilen in den ‚Philokratesfrieden‘ führten, ohne doch die antimakedonische Grundstimmung zu heben, wie sie in der zweiten Philippika (Ende 344) oder im Stellvertreterkrieg auf Euboia hervortrat. Das Verhältnis zu Theben war beschädigt, aber der Makedone saß in der Schlüsselregion von Hellas (S. 103). Wechselseitige Übergriffe (etwa Athens auf Philipps thrakische Küste oder dessen Kapern athenischer Kornschiffe) und das Erstarken von Athens Bündnissystem (S. 129, Hellenischer Bund), schließlich der 4. Hlg. Krieg boten Philipp 339 Anlaß, erneut in Mittelgriechenland einzumarschieren: die von Demosthenes zustande gebrachte Allianz zwischen Athen und Theben unterliegt 338 in der Schlacht bei Chaironeia in Boiotien, die griechischen Poleis werden im Korinthischen Bund auf ein wieder (Isokrates) gemeinsames Ziel ausgerichtet – den Persischen Großkönig. Private Zerwürfnisse (S. 156 ff.) verhindern dessen Verfolgung: der Bruch mit Olympias wegen einer weiteren Ehe und die Verunsicherung ihres Sohnes Alexander, welcher freilich seit geraumer Zeit bereits in die militärischen und außenpolitischen Unternehmungen des Vaters mit eingebunden war, hinsichtlich der Thronfolge münden in Philipps Ermordung bei der Hochzeitsfeier für seine Tochter Kleopatra durch einen Leibwächter. Die Säuberungen des Thronfolgers im ‚familiären‘ Umfeld (S. 162 f.) schieben die Kriegsvorhaben kurzzeitig auf (S. 169-73).

Dieses – kaum zu strukturierende und für einen mit den Verhältnissen weniger Vertrauten mitunter verwirrend – detailreiche Panoptikum griechischer Geschichte im Vorfeld des Hellenismus ist gleichwohl flüssig geschrieben und gut lesbar; die Quellen sind konsequent aus dem Textteil in die Anmerkungen ‚verbannt‘: dort finden sie sich reichhaltig und (zusammen mit der Sekundärliteratur) stakkatohaft gereiht – man wünschte sie sich durch einen eigenen Index erschlossen. Die Verfolgung freilich gerade der historisch-geographischen Entwicklungen wäre durch weiteres (immerhin S. 12, 62) entsprechendes Kartenmaterial noch anschaulicher geworden. Abbildungen (Archäologisches u.a. S. 94 f., 155; Münzen S. 59, 85; Realien S. 45, 121, 171), auch aus der jüngeren Filmgeschichte (S. 178 f.), fehlen nicht. Hingewiesen sei auf neuerliche Spekulationen um eine mögliche Grablege der makedonischen Königsfamilie (Philipp, Olympias, Roxane, einer von Alexanders Generälen ?) im nordostgriechischen Amphipolis (FAZ vom 20.01.15, S. 12). Dabei nähert sich F. seinem Protagonisten mit unverkennbarer Sympathie (eine Geschichte seiner modernen Rezeption S. 176 ff.), welcher sein Leben nicht lange genug leben konnte – durchaus wollte, aber eben mit gelebtem Risiko (S. 182) – , um sein Lebenswerk zu vollenden: dieses ging auf einer Zwischenstation, mit einem fürs Erste durchaus zufrieden stellenden Ergebnis, im Theater von Aigai 336 v. Chr. über auf seinen Sohn und Nachfolger Alexander III., den späteren Großen.

 

Michael P. Schmude,  Boppard

 leicht gekürzte Fassung in: FORUM CLASSICUM 58 (2015), S. 129-131.