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Homerische-Frage-und-Epischer-Kyklos

Homerische-Frage-und-Epischer-Kyklos

Die ‚Homerische Frage‘ und der Epische Kyklos

Ausgangssituation … Stichpunkte … offene Lösungsansätze – mps –

 

Bereits zur Person Homers stehen zwei Thesen einander gegenüber:

Abbé d’Aubignac (1604-46): Homer (ὅμηρος = Geisel, Bürge) ist als Person eine Fiktion, eine Kollektivbezeichnung für eine Vielzahl von Rhapsoden [ῥαψ-ῳδός [ἀοιδός] = Wandersänger [vgl. u. oral poetry]), welche „Gedichte Homers“ verbreiteten [→ etwa Volker von Alzey aus dem Nibelungenkreis oder die mittelalterlichen Minstrels].

  1. v. Wilamowitz-Moellendorff († 1928): den antiken, stark legendenhaften Nachrichten über das Leben des Dichters Homer liegt ein historischer Kern zugrunde.

Für uns heute ist Homer (8. Jh. v. Chr.) eine Chiffre als Verfasser dreier Epenkomplexe – der Ilias, der Odyssee und der homerischen Hymnen, von denen letztere sicher nicht von Homer / vom Verfasser der Ilias oder Odyssee stammen.

Aus antiken Notizen lässt sich erschließen, dass Homer (mit ‚bürgerlichem‘ Namen Melesígenes) aus der Gegend von Smyrna (Westküste Lydiens) stammte und an den Fürstenhöfen des westlichen Kleinasien (Ionien) verkehrte; Hauptwirkungsfeld dürfte die Insel Chios gewesen sein, sein Grab soll auf der Kykladeninsel Ios liegen. Die Nachricht von seiner Blindheit ist wohl Legende (vgl. die blinden Sänger Demódokos bei den Phäaken oder Phēmios auf Ithaka).

Erstmals von Gelehrten des ausgehenden 5. vorchristlichen Jahrhunderts (den Chorizónten Xenon und Hellanikos) zur Diskussion gestellt (von Aristarch v. Samothrake [216-144 v. Chr.], dem Schüler und Nachfolger des Aristophanes v. Byzanz als Vorsteher der alexandrinischen Bibliothek und [mit] bedeutendstem alexandrinischen Grammatiker, aber zurückgewiesen und für das weitere Altertum unterdrückt) und vom Abbé d‘ Aubignac (s.o.) in der modernen Philologie erneut vertreten, herrscht heute die Auffassung vor, dass Ilias und Odyssee nicht vom gleichen Dichter stammen: Unterschiede im sozialen Milieu der Handlung (die Ilias spiegelt die Adelsgesellschaft mykenischer Zeit [1600-1200 v. Chr.], die Odyssee die Gesamtgesellschaft der Zeit Homers [8. Jh.]), in der Wesensart der Haupthelden, in der Handlungskonzeption im Großen (die Ilias eine Episode, von welcher aus der gesamte Krieg um Troja betrachtet wird – die Odyssee Erzählung eines linearen Geschehens mit kunstvoller Verflechtung der Handlungsstränge [z.B. Nachreichung von umfangreichen Passagen der Handlung in Form der Ich-Erzählung in den Phäakenbüchern]) wie in den zahlreichen, märchenhaft-novellistischen Elementen der Odyssee im Kleinen, sowie jüngere Stadien der Sprachentwicklung (in Morphologie wie Syntax) in der Odyssee lassen diese als das (um eine Generation?) spätere Werk erscheinen, während der Dichter der Ilias zumeist mit Homer identifiziert wird.

 

Die Homerische Frage: mit diesem Problem verbinden sich verschiedene Theorien zum Zustandekommen der epischen Gedichte Ilias und Odyssee in der uns heute vorliegenden Gestalt:

 

  1. a) Liedertheorie: die Ilias besteht aus vielen einzelnen, dem dichtenden Volksgeist entstammenden und von fahrenden Sängern = Rhapsoden mündlich weitergetragenen Liedern, welche in der Regierungszeit des Peisistratos v. Athen (560-27 v. Chr.) erst schriftlich fixiert, zusammengefügt und redigiert wurden (vgl. Cic. de or. 3, 137: Pisistrati? qui primus Homeri libros confusos antea sic disposuisse dicitur, ut nunc habemus).

 

  1. b) Kompilationstheorie: selbständige Kleinepen (behandelnd etwa die Heim- u. Irrfahrten der Trojakämpfer [Nóstoi – s.u. Epischer Kyklos]) wurden von einem Kompilator (lat. compilare – zusammenraffen; ausbeuten, plündern) oder Redaktor zur Odyssee

 

  1. c) Entwicklungstheorie: Eine Ur-Ilias geringen Umfanges wurde durch Einschübe und Hinzufügungen erweitert. In der Odyssee wäre eine solche denkbare ‚Interpolation‘ die Telemachie. Möglicherweise sind der Verfasser einer Ur-Ilias und einer Ur-Odyssee

 

  1. d) Unitarische Theorie: die Ilias ist das Werk eines Dichters; diese These wird bekräftigt durch die Beobachtung strukturähnlicher Szenen (Heeresversammlung, Botenszenen, Begrüßung / Ansprache o.ä.) in Ilias wie Odyssee, welche auf eine einheitliche Konzeption wie Komposition beider Gedichte jeweils hinweisen (← Strukturanalyse).

 

Der Epische Kyklos: umfasst einen Kreis von weiteren epischen Dichtungen, welche den gesamten Mythos (außer Ilias und Odyssee) von der Entstehung der Welt bis zum Tod des Odysseus behandeln, in einem engeren Sinne allerdings den Sagenkreis um den trojanischen Krieg ergänzen, ausgestalten und abrunden. Zeitlich anzusetzen sind sie wohl zwischen 800 und 500 v. Chr., verschiedene Dichter sind auch namentlich bekannt (Arktinos, Hegesias v. Salamis, Lesches v. Mytilene, Stasinos, Kinaithon u.a.), eine sichere Zuordnung einzelner Werke aber kaum möglich. Erhalten sind uns einzelne Fragmente oder bloße Titel, daneben Testimonien = (längere oder kürzere) Nachrichten jüngerer antiker Autoren aus bzw. über verschiedene Dichtungen, außerdem spätere Bearbeitungen des gleichen Stoffes in Lyrik und Drama sowie in der Bildenden Kunst. Auf trojanischer Seite tritt die Aenéis Vergils – eine Art Odyssee und am Ende auch nóstos (s.u.) des überlebenden Helden und seiner Gefährten – in der römischen Literatur als paralleler Erzählstrang hinzu.

 

Als Sagenkreise sind zu unterscheiden:

  1. a) Göttergeschichte: Theogonie (Hesiod um 700 v. Chr.), Titanomachie (vgl. [Ps.-] Aischylos‘ Prométheus [desmōtes]);

 

  1. b) der thebanische Sagenkreis: Oidipodeía (vgl. Sophokles‘ König Ödipus sowie Ödipus auf Kolōnós), Thébais (Zug der Sieben gegen Theben, vgl. Aischylos; Euripides‘ Phoenissen und Hiketiden, Sophokles‘ Antigone) und Epígonoi (Zug der Söhne der Thebenfahrer [aus Argos] gegen Theben);

 

  1. c) der trojanische vor dem Geschehen der Ilias:

 

  • Kyprien (Vorgeschichte: Hochzeit des Peleus und der Thetis [vgl. Catull, c. 64], Parisurteil, Entführung Helenas, Werbung des Menelaos zum Kriegszug, Ereignisse in Aulis [Iphigenie, vgl. Euripides] und Geschichten aus dem in der Ilias nicht behandelten Kriegsabschnitt (1.-9. Kriegsjahr; vgl. etwa Bakchylides‘ Dithyrambos Die Antenoriden oder Die Rückforderung der Helena);

 

nach dem Geschehen der Ilias:

 

  • Aithíopis: Kampf des Aithiopenfürsten Memnon (Sohn der Eos) gegen Achill, beider Tod, Kampf um Achills Leiche [wie auch später um seine Waffen], seine Bestattung, Selbstmord des Aias (vgl. Sophokles); dazu Kampf Achills mit der Amazonenkönigin Penthesileía (→ Camilla in Vergils Aeneis).
  • Kleine Ilias: Ereignisse nach Hektors Tod bis zur Einnahme Trojas (→ Fortsetzung der Ilias; teilweise inhaltliche Überschneidung mit der Aithíopis).
  • Iliupérsis: Eroberung und Zerstörung Trojas mit Hilfe des Hölzernen Pferdes (vgl. Euripides‘ Hekabe, Troerinnen, Helena, Andromache), Schicksal des Laokoon und Flucht des Aeneas (→ Vergils Aeneis, B. II).
  • Nóstoi: Heimkehr weiterer trojanischer Helden, insbes. Agamemnons Schicksal und Orests Rache (Aischylos‘ Orestie [Agamemnon, Choephoren, Eumeniden]; Sophokles‘ Elektra; Euripides‘ Elektra, Orest, Iphigenie bei den Taurern).
  • Telegonie und Thesprōtis: Schicksale des Odysseus nach seiner Heimkehr – Versöhnung mit Poseidon; Aufeinandertreffen mit (→ Hildebrandslied) und (versehentliche) Ermordung durch seinen Sohn von Kirke = Telegonos, dessen Verbindung mit Penelope und die des Telemach mit Kirke

sowie

Wanderung des Odysseus nach Thesprōtien (NW-Griechenland/Epiros), zweite Ehe und Kampf gegen die Bryger (ursprünglich ein thrakischer Stamm, in W-Makedonien und Illyrien ansässig).

 

  1. d) von den Epen außerhalb des trojanischen und thebanischen Sagenkreises dürften die Argonautiká (vgl. Euripides‘ Medéa), die Herakléis (vgl. Euripides‘ Herakles sowie Sophokles‘ Trachinierinnen) und die Theséis (vgl. Euripides‘ Hippólytos) am bekanntesten sein.

 

Von den obengenannten ist der thebanische Stoff dem der Ilias zeitlich vorgeordnet (unter den Sieben gegen Theben ist Týdeus, der Vater des Trojafahrers Diomédes); auch die Helden der Argonauten- (und Theseus-)Sage gehören einer früheren Generation an als die iliadischen Helden (die Brüder Télamon und Peleus nehmen an der Kalydonischen Jagd wie der Argonautenfahrt teil und sind Väter von Helden vor Troja – Aias bzw. Achill; Philoktet ist Bindeglied: Argonaute und Trojafahrer, vgl. Sophokles. Herakles ist [kurzzeitig] Argonaute, befreit Theseus [gleichfalls Argonaute] nach dessen versuchter Entführung der Persephone aus der Unterwelt; Aigeus, der Vater des Theseus, gewährt Medea Asyl in Athen [← Eur. Medea], Theseus selbst wiederum dem verbannten Greis Oidipus in Attika [→ Soph. Oidipus auf Kolōnós]). Hesíone, die Schwester des Priamos, Sohnes des (dritten) trojanischen Gründerkönigs Laómedon, heiratet Telamon, Bruder des Peleus (= Achills Vater) und seinerseits Vater des großen Aias → damit ist Priamos als Vater von Hektor und Paris zugleich Onkel von Achill und Aias und sind mithin die führenden Kämpfer auf griechischer wie trojanischer Seite Cousins. Über die gleiche Linie (Laomedons Schwester Themis – vgl. in der Aeneis die Bezeichnung Laomedóntia pubes für die nach der Zerstörung verbliebenen Trojaner) ist Priamos Vetter des Anchises und Großcousin (sowie durch seine Tochter Kreüsa Schwiegervater) des Aeneas. Dessen Sohn Askánios = Iulus wiederum wird über die Königsliste von Alba Longa (in Latium) und darauf Romulus und Remus Gründungsahne von Roma aeterna und Namensgeber aller Iulier = der gens Iulia (→ das sidus Iulum im Unterweltsbuch von Vergils Aeneis).

 

Literarisch stehen die Dichtungen des Kyklos der Ilias und Odyssee – natürlich in unterschiedlichem Maße – recht nahe; allerdings ging bei ihnen (nach dem Urteil der Antike) das Streben nach stofflicher Vollständigkeit und Abrundung der homerischen Epen offenbar auf Kosten der künstlerischen Gesamtkomposition.

 

Oral Poetry (begründet von Milman Parry 1928 ff.): eine feste Tradition der soeben angesprochenen mythischen Erzählkomplexe reicht bis in das 14. vorchristliche Jahrhundert, in mykenische Zeit (die homerischen Epen geben ja gleichfalls ein Bild der Adelsgesellschaft dieser Zeit, auch für Homer selbst also bereits ‚Geschichte‘, Vergangenheit) und damit in eine Epoche der Nicht-Schriftlichkeit zurück.

Homers Leistung besteht nun darin, dass er einerseits den mündlich gebundenen Überlieferungsstand seiner eigenen Zeit mit Hilfe des (spätestens) zu Beginn des 8. Jh. von den Phöniziern übernommenen Alphabets festgehalten hat, andererseits aber den chronologisch fortschreitenden Erzählaufbau durch eine Komposition ersetzt, welche von einem Leitmotiv (Zorn des Haupthelden; Irrfahrten) aus ein umfassenderes Geschehen (Krieg um Troja; Heimkehr des Odysseus) darstellt.

  1. a) Formeln, stehende Wendungen, zu wiederholende Verse sind unverzichtbare Hilfsmittel des Extemporierens, des (weiterhin improvisierend-kreativen) mündlichen Vortrages aus dem Gedächtnis.
  2. b) Kunstvolle Verflechtungen der Handlungsanlage (Rückblicke in Form der Ich- oder Botenerzählung, Schauplatzwechsel mit Überleitungen, Hintergrunderzählungen), Zentrierung der Geschehnisse auf ein Leitmotiv, vielfältige Bezüge und Anspielungen kennzeichnen ein Dichten, welches ohne Schriftlichkeit nicht mehr

Homer‘ hat Ende des 8. Jh. v. Chr. einzelne, umfangmäßig begrenzte Stränge vorgefundener, mündlich tradierter Volksdichtung unter dem von ihm angestrebten Kompositionsprinzip zu einem (umfangreichen und) großangelegten Ganzen, der Ilias, schriftlich zusammengefügt, wobei unsicher bleiben muss, welche Bestandteile er umlaufender oral poetry entnommen und welche er selbst (hinzu-)gedichtet hat.

Eine analoge Abfassungsgeschichte mit einem (wenig) jüngeren Dichter aus dem Umfeld Homers ist für die Odyssee anzunehmen; und in die gleiche ‚homerische Schule‘ gehören schließlich auch die sogenannten Homerischen Hymnen, Preislieder auf olympische Götter (mit Episoden aus ihrem Leben) und auf Heroen und Halbgötter unter Verwendung von Charakteristika der homerischen Großepen (Sprache, Formeln) seit dem 7. Jh. v. Chr.

Vergils-Aeneis-und-der-Epische-Kyklos

Vergils-Aeneis-und-der-Epische-Kyklos

Vergils Aeneis – zwischen Weltdeutung des Epischen Kyklos und Römischem Nationalepos

von: Michael P. Schmude

 

Auf den ersten Blick verlaufen in Vergils Aeneis zwei – voneinander getrennte – epische Erzählstränge:

  • In der ersten Hälfte zeigt sich der Hauptheld als Umherirrender, als Heimat Suchender – Aeneas als Odysseus ? → Homers Odyssee
  • In der zweiten Hälfte zeigt sich der Hauptheld als Neuansässiger, als Eroberer – Aeneas als Achilleus ? → Homers Ilias
  • Im Ganzen ist die Aeneis die Geschichte des Troianers Aeneas und seiner Gefährten, die nach der Zerstörung ihrer Heimatstadt (im NW Kleinasiens) durch die versammelten Griechen über die Ägäis, das Ionische und das Tyrrhenische Meer auf der Suche nach der Heimat ihrer Vorfahren schließlich in Latium (an der Tibermündung) anlanden, um dort von Neuem ihre Stadt zu erbauen. Aus dieser soll (über die ‚Zwischenstation‘ Alba Longa) einmal Rom, das künftige caput mundi, hervorgehen.

 

Zur eigentlichen Präsentation im Ganzen → Innenseite

 

Anmerkungen zu den Folien der Präsentation

Die Aeneis und ihr Autor (a)

Enteignungen durch Octavian für seine Veteranen nach der Schlacht (Sept./Okt. 42 v. Chr.) bei Philippi (im Osten Makedoniens) gegen die Caesarmörder (Brutus, Cassius).

Vergilius Maro, geboren in dem Ort Andes bei Mantua, Eltern einfache, aber vermögend gewordene Landleute (Vater Töpfer). Umfassende Ausbildung in Rhetorik und Philosophie (Cremona, Mailand, Rom), insbesondere bei dem Epikureer Siron in Neapel.

Der Maecenas-Kreis ist eine Art literarischer Zirkel / Salon, ein Kreis von Dichtern: am bekanntesten Vergil und Horaz (den Vergil dort einführt [sat. 1, 6, 54 f.] und dem Maecenas ein Landgut schenkt).

[C. Cilnius Maecenas, 70-8 v. Chr., aus der etruskischen Stadt Arretium, Diplomat und Vertrauter des Augustus sowie bei Abwesenheit dessen Stellvertreter in Rom].

Augustus bittet den Dichter um ein Nationalepos für die Römer, und Vergil kommt diesem Anliegen – nicht ohne Zögern, aber durchaus auch aus eigener Überzeugung –  schließlich nach. Dies bring ihm bis heute von mancher Seite den Vorwurf ein, ein augusteischer Hofdichter zu sein. Vergil soll testamentarisch die Verbrennung der – noch nicht vollendeten – Aeneis verfügt haben, was Augustus aber verhindert haben soll (Plin. NH 7, 14).

Hermann Broch: Der Tod des Vergil (New York 1945).

 

Die Aeneis und ihr Autor (b)

Die Bucolica, 10 kurze Gedichte (= Eclogae) mit im Ganzen 829 vv., fußen auf der Hirtendichtung des Theokrit (3. Jh. v. Chr., aus Syrakus) und spielen mit Themen einer idealisierten Hirtenwelt in einer idealen Landschaft aus dem Sizilien des hellenistischen Dichters, aus der ‚geistigen‘ Dichterregion Arkadien und dem Oberitalien Vergils.

Die Georgica behandeln in vier Büchern B. 1: Ackerbau und Wetterkunde, B. 2 die Baumzucht (Olivenbaum und Weinstock), B. 3 die Haustierzucht und B. 4 die Welt der Bienen (bewusst übergangen hier [4, 116-48] der Gartenbau → [Lucius Iunius Moderatus] Columella [1. Jh. n. Chr.], 12 Bücher De re rustica [nach 64] B. 10).

 

Die Aeneis und ihr Narrativ (a)

Buch 1: Kurz nach ihrer Abfahrt von Sizilien gerät die Flotte des Aeneas in einen verheerenden, von Iuno bei dem Windgott Aiolos erwirkten Seesturm, welcher sie an die Küste Nordafrikas  zerstreut und verschlägt. Aeneas rettet sich in eine Bucht an der Küste Libyens.

Wechsel der Erzählebene: auf dem Olymp Zwiegespräch zwischen Venus und Iuppiter: dieser verspricht die Gründung einer Stadt in der Nachfolge Hektors – und Rom die künftige Weltherrschaft.

Ankunft des Aeneas (von seiner Mutter in einer Wolke verhüllt) in Karthago; im gerade erstehenden Tempel der Iuno sieht er sich mit Darstellungen der Geschehnisse vor Troia (u.a. Tod Hektors; Penthesileia → Aithiopis) konfrontiert (→ Odysseus durch den Sänger Demodokos bei den Phaiaken).

Zusammentreffen mit Dido, welche die Troianer willkommen heißt und ihre Fürsten zum Gastmahl in ihren Palast lädt. Dort beginnt Aeneas seine Erzählungen (und Dido, sich – unter Mitwirkung der Venus – in den Anführer der Troianer zu verlieben …).

Buch 4: Iuno und Venus sorgen jetzt gemeinsam dafür, dass sich die Königin endgültig in Aeneas verliebt, und es kommt zu einem eheähnlichen Miteinander samt gemeinsamem Weiterbau von Karthago. Es bedarf eines ‚Machtwortes‘ Iuppiters über seinen Boten Hermes, um Aeneas an dessen eigentlichen Auftrag, seine fata zu erinnern … Dieser setzt, obwohl von Dido zur Rede gestellt, die Flotte wieder Richtung Sizilien und Italien in Bewegung. Dido verwünscht ihn und stürzt sie sich ob des – für sie – Treuebruchs in Schwert und Scheiterhaufen.

 

Die Aeneis und ihr Narrativ (b)

Buch 6: Eingegliedert in die Unterwelt sind der Tartaros (→ Hölle) für die exemplarischen Verbrecher) wie das Elysium (→ Paradies) für die vorbildhaften Menschen wie Aeneas‘ Vater Anchises.

Aeneas trifft in der Unterwelt wieder auf Dido wie Odysseus in der Nekyia auf seinen alten Widersacher Aias (Streit um die Waffen Achills und Selbstmord des Aias nach seiner Niederlage gegen Odysseus ← Aithiopis) . Beide Begegnungen verlaufen unversöhnlich.

Anchises führt und erläutert – im Zusammenspiel mit der stoischen Lehre von der Seelenwanderung – seinem Sohn die ‚Heldenschau‘, die ‚Parade‘ prominenter Figuren der Römischen Geschichte – gipfelnd in den Vertretern der gens Iulia, dem Geschlecht von Caesar und Augustus.

Buch 7: Landung in der Tibermündung – das Tisch-Prodigium bestätigt Latium als das vorherbestimmte Land der Heimkehr (116-29).  Eine Gesandtschaft der Troianer an den ortsansässigen König Latinus führt sogleich zu gastfreundlichem Empfang und Bündnisangebot (gemeinsamer Ahnherr Dardanus / Latinus bietet – seinen fata entsprechend – Aeneas seine Tochter zur Ehe an).

Gegenaktion der Iuno:  mittels der Furie Allecto  treibt sie die Königinmutter Amata  und den Rutulerfürsten Turnus zur Feindschaft gegen die Troianer. Aufmarsch der latinischen ‚Völker‘  (641 ff.) zum Bündnis gegen die Ankömmlinge (← Schiffskatalog in Buch 2, 484 ff. der Ilias).

Buch 8: Anfangs der Fahrt tiberaufwärts zu Euander markiert das Sau-Prodigium (42-48; 81-85) den Ort für die Neugründung der Stadt (Alba Longa). Aeneas erhält durch seine Mutter eine neue Waffenrüstung von Vulcanus – die Schildbeschreibung zeigt ein Panorama römischer Geschichte ← so in der Ilias die neuen Waffen für Achill durch seine Mutter Thetis von Hephaistos, nachdem Patroklos (in der Rüstung Achills) von Hektor erschlagen worden war (Buch 18, 468 ff./19, 3 -18).

 

Die Aeneis und ihr Narrativ (c)

Buch 9: der Ausbruchsversuch des Nisus und Euryalus aus dem – während der Abwesenheit  des Aeneas – von Turnus bedrängten Lager der  Troianer endet in einem Blutbad unter den Rutulern und mit dem Tod der beiden Jungen ← in B. 10 der Ilias führt die Dolonie des Odysseus und Diomedes zu einem Blutbad unter dem Gefolge des thrakischen Königs Rhesos.

Buch 10: der junge Pallas, Sohn des Arkaderkönigs Euander, fällt im Kampf gegen Turnus, der ihm sein Wehrgehenk raubt (495-502) – dies wird der Anlass zum Todesstoß des Aeneas im finalen Zweikampf 12, 939 ff. ← Rache des Achill an Hektor (Ilias B. 22) für die Tötung und Spoliierung seines jungen Freundes und Cousins Patroklos  (Ende B. 16 / Anfang B. 17).  Aeneas tötet den vertriebenen Etruskerkönig Mezentius und dessen Sohn Lausus (762 ff.)

Buch 11: Camilla, die kriegerische Königin der Volsker, wird als Anführerin der latinischen Reiterei von dem Etrusker Arruns mit einem Pfeilschuss  getötet ← in der Aithiopis die Amazonenkönigin Penthesileia (auf Seiten der Troianer), von Achill getötet, der sich beim Anblick ihres Leichnams in sie verliebt  und von dem hässlichen Zänker Thersites dafür verspottet wird (er tötet diesen auf der Stelle).

Buch 12: auch wenn Iuno Friedensvereinbarungen hintertreibt [die Abmachung zum Zweikampf Turnus – Aeneas wird durch den Lanzenwurf des rutulischen Auguren Tolumnius gebrochen (258 ff.) ←  Il. 4, 85 ff. Bruch der Eide durch den Pfeilschuss des Troers Pandaros] und die Quellnymphe Iuturna, Schwester des Turnus, diesen wiederholt (in Gestalt seines Wagenlenkers) der Entscheidung entzieht, kommt es – nach einem letzten Gespräch zwi-schen Iuppiter und Iuno auf der Götterebene, welches Iuno zur Schutzgottheit des neuen, vereinten Ausonischen Geschlechtes macht (791-841) – zum Zweikampf, nach welchem Aeneas – unter dem Eindruck des geraubten Wehrgehenks des Pallas (947-49) – Turnus tötet.

 

Die Aeneis und Homer (a)

Buch 3: Verschiedene Orakel und Vorzeichen – in Thrakien (Leichnam des vom Thrakerkönig Polymestor ermordeten Priamossohnes Polydoros). Auf Delos (das Orakel weist sie ins Land ihrer Ahnen: Anchises deutet es fehl als Kreta, woher Teukros, Schwiegervater des Dardanus, stamme; eine Seuche vertreibt sie). Die Penaten erscheinen Aeneas im Schlaf und weisen auf Hesperien (woher Dardanus, der Vater des Ilus, Gründers von Troia, stamme). Bei den Strophaden (Inselgruppe im Ionischen Meer, wo die Harpyien hausen) weist die Harpyie Celaeno auf das Tisch-Prodigium (7, 116-29) voraus. In Actium begründen sie troianische Sportwettkämpfe. In Buthrotum (Epirus) bestätigt Helenos (Sohn des Priamos und unterdessen mit Andromache, Hektors Witwe, verbunden) Italien als Ziel und weist auf das Sau-Prodigium (Ara Pacis – 8, 81-85) als Ort der Stadtgründung voraus, warnt vor den Griechen an Italiens Ostküste [→ Diomedes: 11, 252-93, insbes. 285-87] sowie vor Skylla und Charybdis in der Meerenge von Messina [← Odysseus Od. 12, 222—59]: deswegen solle er westlich um Sizilien herum an die Westküste Italiens nach Cumae (südlich von Neapel) fahren.

Auf Sizilien, im Schatten des Ätna, nehmen sie einen Gefährten des Odysseus (Achaemenides) auf, den dieser auf seiner Flucht vor dem Kyklopen Polyphem zurückgelassen hat

 

Die Aeneis und Homer (b)

[Aufsatz] Homerische Motive in Vergils Aeneis,

in: Der Altsprachliche Unterricht  49, 2+3 (2006), S. 104–107.

Vergil sucht auf Schritt und Tritt die Anbindung an Homer – um es dann sogleich ‚anders‘ zu machen, zwei markante und aussagekräftige Beispiele:

  • Die Skylla-und-Charybdis-Episode aus B. 11 der Odyssee kommt auch bei Vergil vor: doch Aeneas fährt (B. 3), von seinem Schwager Helenos gewarnt, eben nicht durch die Meerenge von Messina – eigentlich der kürzere Weg ins verheißene Westitalien – , sondern entgeht ihnen (sieht sie auf der Fahrt von ferne) durch den Umweg um Sizilien herum.
  • Auch zum Kyklopen-Abenteuer des Odysseus (B. 9 der Odyssee) – für die Aeneis-Handlung völlig irrelevant – knüpft Vergil einen Seitenstrang: auf Sizilien (B. 3) nehmen sie einen Gefährten des Odysseus, der bei der überstürzten Fluch von der Insel Polyphems dort zurückgeblieben war, dauerhaft bei sich auf.

[Versuch einer Einigung durch den Zweikampf der Hauptbetroffenen statt durch den Krieg der Heere:

  • Das vereinbarte (Il. 3, 245-325) Aufeinandertreffen  Menelaos – Paris wird von Aphrodite ‚beendet‘ (380-82); Il. 4, 85 ff. dann Bruch der Eide durch den Pfeilschuss (124-26) des Troers Pandaros (Athene). Für die Ilias bleibt dies Episode. Das Duell zwischen Achill und Hektor folgt persönlichen Motiven (Patroklos) und beendet Nichts; der Krieg um Troia findet seinen Abschluss erst  mittels der List des Odysseus.
  • Die Vereinbarung zum Zweikampf Turnus – Aeneas  (Aen. 12, 75-80 /116 ff.) wird durch den Lanzenwurf des rutulischen Auguren Tolumnius (266-68) gebrochen, das finale Aufeinandertreffen der beiden aber nurmehr (durch Iuno-Iuturna) verzögert. Die Aeneis  kommt mit dem Duell der beiden Fürsten zu ihrem Abschluss.]

 

Die Aeneis im Rahmen des Epischen Kyklos

  • Der fatalen Heimkehr des Agamemnon (← Iphigenie in Aulis) und der troischen Seherin Kassandra hat der Tragiker Aischylos eine Trilogie (AgamemnonChoephorenEumeniden) gewidmet, die Orestie.
  • Diomedes kehrte zwar unversehrt in seine Heimat Argos zurück, wurde aber nach längeren Thronwirren von dort verbannt und wanderte mit seinen Gefolgsleuten in das südöstliche Italien aus und gründete in Apulien die Stadt Argyrippa (Arpi). Dem Turnus verweigert er auf Anfrage seine Unterstützung gegen Aeneas (11, 285-93 „… wenn es außerdem zwei solche gegeben hätte …“).
  • Die Odyssee des Odysseus ist der Nostos schlechthin … an Umfang wie märchenhaft-tragischem Gehalt.
  • Aeneas – auch die Aeneis ist ein Nostos → Dardanus …

 

Die Aeneis als Römisches Epos

  • Götterszene: Werdegang der Aeneas – Ascanius – Romulus – Augustus, mündend in ein grenzenloses Friedensreich.
  • Unterweltsbuch: Heldenschau von den Königen Alba Longas bis zu Augustus und dessen früh gestorbenem Wunschnachfolger Marcellus.
  • Schildbeschreibung: das kommende Schicksal des römischen Volkes – Szenen von Romulus und Remus mit der Wölfin bis zum Triumph des Augustus nach der Seeschlacht von Actium (← Schild des Achill Il. 18, 482-608) – auf den Schultern des Aeneas.

 

Aeneas und ‚seine‘ Troianer als erste Flüchtlinge und Migranten (a)

[Vortrag] Fremdheit und Migration in Homers Odyssee und Vergils Aeneis,

in: Lingue Antiche e Moderne 10 (2021), S. 19-39.

Die Königin des gerade erstehenden Karthago (Neu-stadt, wie das griechische Néa-pólis, heute Neapel), Dido, mit eigenständigem Migrationshintergrund, nimmt den (durchaus nicht unbekannten) Ankömmlingen gleich zu Beginn die Furcht vor den – notwendigen – Grenzsicherungsmaßnahmen.

Erkennbare Motive der Aufnehmenden sind die Prominenz der Flüchtlinge, Mitgefühl, nicht zuletzt die Aussicht auf Bündniszuwachs. Um das gemeinsame Flüchtlingsschicksal weiß Aeneas von seiner Mutter, Dido lässt es anklingen.

[Die Liebe der infelix, der unglücklichen Dido, zum Troianerfürsten wird – tragisch und gesteuert allerdings von außen – in der Folge hinzukommen …].

 

Aeneas und ‚seine‘ Troianer als erste Flüchtlinge und Migranten (b)

Auch in Latium wendet sich – gegenüber einer ordnungsgemäß diplomatischen Delegation der Aeneaden – der ortsansässige König Latinus gastfreundlich und verständnisvoll den hilfesuchenden und vom Hörensagen angekündigten Neuankömmlingen aus einem fernen Land zu. Einer der Gründerväter Troias, Dardanus, war von eben hier zu seiner Wanderung ins kleinasiatische Phrygien aufgebrochen.

Und es ist eigener Antrieb (sponte suā), welcher die Latiner die Fremdlinge aufnehmen lässt, noch nicht einmal gesetzlich geregeltes Gastrecht, sondern alter Götterbrauch (Saturnus [griech. Kronos] ist der Gottkönig des Goldenen Zeitalters in Italien), an welchen das uralte Geschlecht sich gebunden fühlt.

Den Ausschlag für den König gibt freilich die Rückbesinnung auf ein vormaliges Orakel seines Vaters Faunus, welcher ihm einen Schwiegersohn aus fernem Lande angekündigt hatte und aus der Verbindung seiner Tochter Lavinia mit diesem eine mächtige, weltbeherrschende Nachkommenschaft: es sind also in der Aeneis Vergils stets bereits auch politische – im heutigen Wortsinne – Motive mit ihm Spiel …

 

 

Salviani-de-gubernatione-Dei-libri-octo

Salviani-de-gubernatione-dei libri-octo

Salviani (presbyteri Massiliensis) De gubernatione Dei libri VIII

ed. F. Pauly (Wien 1883)

[in CSEL 8: Salviani presbyteri Massiliensis opera omnia]

übersetzt von  Michael P. Schmude,  Vinzenz Pallotti University Vallendar

Salvianus von Massilia – Philosoph und Theologe in den Stürmen der Völkerwanderungszeit

Salvian von Marseille, ursprünglich aus dem nördlichen Gallien stammend und Angehöriger einer Familie der romanischen Oberschicht in Trier (← De gub. VI 72) oder Köln (← epist. I 5), ist Betroffener und für uns ein wichtiger Zeitzeuge der Völkerwanderung und des Übergangs von der römischen zur fränkischen Herrschaft an Mosel und Rhein im 5. Jh.; seine Lebenszeit umfasst die Spanne von 400-480. Er studiert Jura und Rhetorik, was ihn auf eine Laufbahn in der Reichsverwaltung vorbereitet. Nach der Zerstörung Triers (die er neben derjenigen von Mainz in De gub. VI 39 erwähnt) flieht er mit seiner Frau Palladia und der Tochter Auspiciola (zur familiären Aufstellung → epist. 4) in den Süden des Landes, wo seit etwa 400 der gallische Prätorianerpraefekt und somit das Zentrum der weströmischen Verwaltung ansässig sind. Ein Teil seiner Verwandtschaft bleibt im besetzten Köln, wo der Machtwechsel zu den Franken wohl ohne Verwüstungen erfolgt ist; allerdings beklagt er, dass eine Angehörige dort jetzt aus Armut bei Barbarenfrauen Dienst tut (epist. I 6). 426 wird Salvian indes Mönch (← epist. I 8) in der asketischen, von Honoratus (dem späteren Bischof von Arles) um 410 begründeten Gemeinschaft auf der Insel Lérins (bei Cannes), enger Freund des (späteren Bischofs von Lyon) Eucherius (epist. II, VIII) und gegen 439 Presbyter in Marseille. Gennadius, Priester ebenda von 492-496 und jüngerer Zeitgenosse von Salvian, bezeugt in seinem Hauptwerk De viris illustribus von 495 für ihn (67 f.) ein Corpus von neun Briefen, vier Bücher Timothei ad Ecclesiam (ein Armuts- bzw. Askesegebot für die Priester und für die Christen insgesamt, ererbtes Vermögen der Kirche zu übereignen) sowie als (unvollendetes) Hauptwerk acht Bücher De gubernatione Dei aus dem Jahre 439/40.

Der darin gestellten Theodizee-Frage bzw. dem Vorwurf, Gott sorge sich nicht um die von ihm geschaffene Welt, begegnet er mit einer großangelegten Beweisführung, dass alles Leid der Zeit (im Besonderen die Einfälle der heidnisch-häretischen Goten, der Franken und Vandalen) Ausdruck von Gottes bereits einsetzendem Gericht über die mannigfachen Verfehlungen seines Volkes – namentlich im Römischen Reich – seien und gerade darum von einer Vernachlässigung (neglegentia) überhaupt keine Rede sein könne. Vielmehr kennten die Römer den Willen Gottes, ohne ihn zu befolgen, wohingegen die nichtchristlichen Barbaren moralisch handelten, ohne von diesem zu wissen; der beklagte Erfolg der Ungläubigen sei auf deren größere Sittenstrenge gegenüber der moralischen Verkommenheit der christlichen Römer zurückzuführen. Das Ergebnis ist eine schonungslose Abrechnung mit der ihn im weitesten Sinne umgebenden Gesellschaft im kynisch-stoischen Geiste und in der Haltung fortlaufend von ihm zitierter Mahner aus AT und NT. Literarische Vorbilder fand er hierfür in der klassisch-römischen Historiographie (Sallust, Tacitus), doch ist sein sprachlich-inhaltlicher Duktus durchaus auch von Elementen der oratorischen Téchnē geprägt. Vor diesem Hintergrund muss auch sein Wert als unmittelbare Quelle für die gesellschaftlichen Zustände im weströmischen Gallien des Jahrhunderts der Völkerwanderung gesehen werden.

Literatur: H. Lietzmann, in: RE [2. Reihe] I A, Sp. 2017 f.; R. Nürnberg, in: LThK3 8, Sp.1499 f.; S. Letsch-Brunner, in: DNP 10, Sp. 1271; A.M. Ritter, in: RGG4 7, Sp. 811. – W. Blum: Das Wesen Gottes und das Wesen des Menschen nach Salvian von Marseille, in: MThZ 21 (1970), 327-341; J. Badewien: Geschichtstheologie und Sozialkritik im Werk Salvians von Marseille (Göttingen 1980); D. Kasprzak: Christliche Haltung gegenüber Heiden im späten Römischen Reich. Augustinus und Salvian von Marseille → academia.edu; M. Meier: Geschichte der Völkerwanderungszeit … vom 3. bis zum 8. Jh. (München 82021), insbes. 555-559.

Textnahe Übersetzung des lateinischen Originals. – Zugleich eigenständige Grundlage einer daraufhin erfolgenden, zielsprachenorientierten Übertragung im Rahmen der ‚Bibliothek der Lateinischen Literatur der Spätantike‘ (BLLS) der Universitäten Eichstätt und Münster.

Zur Übersetzung aller acht Bücher de gub. Dei → ‚Innenseite‘

Zu-S-Merten-Felisa-et-secreta-Romae

Zu-S-Merten-Felisa-et-secreta-Romae

Sabine Merten: Felisa et secreta Romae – Felisa und die Geheimnisse Roms. München (Circon) 2023 [Schüler Lernkrimi Latein]. 96 S., € 13 (ISBN 978-3-8174-4360-4).

aus: FORUM CLASSICUM 66 (2023), S. 278-279.

Soviel vorab – eine vergnügliche und spannende Kriminalgeschichte, in deren Mittelpunkt eine zunächst kleine, sodann an ihren Abenteuern wachsende Straßenkatze steht, welche sich vom Ort ihrer behüteten Jugend unter einer Brücke etwas außerhalb Roms auf den Weg macht ins bunte Leben und laute Treiben der großen Stadt am Tiber. Und sie wird begleitet von Vokabelangaben, Erläuterungen zum antiken Schauplatz (→ Res Romanae) sowie einführenden Bemerkungen zur Grammatik überhaupt, der lateinischen im Besonderen, welche sich aus den originalsprachlichen Einsprengseln in den zunächst einmal deutschen Text ergeben und in zusammenfassenden Übungen gesichert werden. Didaktische Konzeption ist diejenige der Compact Lernkrimis des Münchner Circon-Verlages, angebunden der Vokabeltrainer phase6. Die kontinuierliche Steigerung der Anforderungen mündet in ein Prüfungs-Quiz zum Abschluss der story und rundet diese lehrwerksunabhängige Einstiegslektüre parallel zum Spracherwerb motivierend ab. Ein alphabetisch geordnetes Glossar der verwendeten Vokabeln am Ende des in Layout wie visueller Gesamtausstattung ansprechenden Büchleins macht die Erlebnisse der catta parva zur Individuallektüre ebenso geeignet wie gut handhabbar für den Klassenverbund.

Der Jugendkrimi um die junge Katze Felisa (der Name – ein sprechender [feles und Lisa] und im Spanischen eigenständiger Vorname – erinnert zugleich an den Katzenthriller [für Erwachsene] Felidae von M. Schaack [1994]) ist in Diktion wie Anlage altersgerecht (Unterstufe) gestaltet. Er wird mit Fotos (6 Tiber, 10 Via Appia, 32 Hundemosaik) und veranschaulichenden Rekonstruktionszeichnungen (18 auf dem Emporium am Tiber und 53 auf dem Forum Romanum, 26 Villa, 44 Circus Maximus, 58 Triclinium) reich bebildert und ist in kurzen Abständen von den bereits genannten Übungen (vierzig exercitia zu Wortarten und Morphologie, Lexik und Satzbau, Übersetzung und Textverständnis) kunterbunt aufgelockert (zu diesen 82-86 ein Lösungsteil). Die fortlaufende Erzählung (ihre historischen Bezüge sind nicht allzu eng gefasst, was in den Sachhinweisen allerdings hätte eingeordnet werden können, dazu → u.) steigert sich in Umfang wie Anspruch der organisch-übergangslos eingelegten lateinischen Passagen, welche überall passend mit Vokabellisten sowie sprachlichen und sachlichen Hilfen unterfüttert werden; realienkundliche Kleintexte sind schülernah und gut verständlich – und auf alle wird aus der narratio heraus direkt verwiesen. Das Bändchen gibt sich als Lernbegleiter für das erste Latein-Jahr, und demzufolge stehen am Beginn die ‚Klassiker‘ des Anfangsunterrichts: a-/o-Deklination in Substantiv und Adjektiv; esse als Prädikatsnomen; die vokalische Konjugation des Verbs (als didaktische Reduktion wird der Stammauslaut der Personalendung zugerechnet); Satzeinleitungen, Kasusfunktionen und wichtigere Präpositionen, Frage-, Relativ- und Kondizionalsätze, Zahlen und Steigerung, AcI usf., ohne dass sich dahinter bereits ein bestimmter Unterrichtsband mit eigenen Vorgaben aufzeigt.

Die Geschichte als solche führt Felisa nach ihrer Ankunft in der Metropole gleich in die erste Bewährungsprobe unter Ihresgleichen am Emporium, der großen Markthalle Roms, samt Flucht, Verfolgungsjagd und Rettung im Hause des freundlichen, aber ‚anstrengenden‘ cattus doctus Cicero. Dem Idyll der Villa entzieht sie sich ins gefährliche Getümmel der Innenstadt und auf einen siegreichen Rennwagen in der Arena, gerät anderntags auf dem Palatin (die Abbildung zeigt indes das Forum, welches hier [53 f.] auf die Höhen des anliegenden Hügels verlegt ist) in eine Begegnung mit der kaiserlichen Sänfte – auf Katzenebene und darüber zu einem Gastmahl im Palast des Augustus (unter diesem Namen regierte Octavian seit 27 v. Chr.). Am folgenden Morgen fällt sie in die Unterwelt des Forum Romanum und (→ Titel) ins geheime Spionagenetz der Katzen Kleopatras (die [67] derzeit „in Rom weilt“ – tatsächlich in den Jahren 46-44. Nach der Niederlage in der Seeschlacht von Actium 31 v. Chr. und dem Fall von Alexandria 30 v. Chr. begeht Kleopatra – zusammen mit M. Antonius – Selbstmord). Dort trifft sie auf den inhaftierten und als Geisel gefolterten cattus litteratus Naso: es geht um das secretum Liviae (= L. Drusilla, seit 38 v. Chr. mit Octavian verheiratet; aus erster Ehe ist sie Mutter des späteren Kaisers Tiberius und Großmutter des vierten Kaisers Claudius), welches eine fatale Präferenz der ägyptischen Herrin für römische Katzen zeitigt. Dieses aber – so daraufhin Felisas List – soll im Tempel der Vesta verborgen sein, dessen Gesetzmäßigkeiten den neuen Freunden einen Ausweg öffnen.

Überprüft werden abschließend die auf den Pfaden der (über)lebenstüchtigen Katze gewonnenen Erkenntnisse durch sieben weitere exercitia eines Quiz zu allen beschriebenen Lernbereichen (samt Auflösung 87). Die eigentliche criminal story aber endet … ohne wirkliches Ende, vielmehr mit der Ankündigung einer noch ausstehenden, weiteren Aufgabe für die Beiden und damit zugleich mit dem Ausblick auf einen erwünschten Begleiter ähnlicher Art und Struktur für das kommende zweite Lernjahr Latein.

Michael P. Schmude,  Lahnstein

 

Zu-KWWeeber-Couchsurfing-im-Alten-Rom

Zu-KWWeeber-Couchsurfing-im-Alten-Rom

Weeber, K.-W.: Couchsurfing im Alten Rom – Zu Besuch bei Wagenlenkern, Philosophen, Tänzerinnen u.v.a. Darmstadt (WBG Theiss 2022). 232 S., € 22 (ISBN 978-3-8062-4418-2).

aus: FORUM CLASSICUM 65 (2022), S. 281-283.

Ein Gesprächsband – analog in Zeiten der Pandemie, Begegnungen mit fiktiven, literarischen und historischen Gestalten aus dem Alltagsleben des Alten Rom (Halbwelt inclusive), quellengestützt, gelehrt und gleichwohl unterhaltsam – wie man es bei diesem Autor (W.) auch nicht anders erwartet, der zuletzt aus den Graffiti des antiken Pompeji einen Spiegel des ‚normalen‘ Lebens einer antiken Mittelstadt geformt hatte (→ FC 63 [2020], S. 180 f.).

Die Rahmenhandlung besteht in der originellen Idee, anhand einer – lose miteinander verknüpften (u.a. S. 92, 106, 165) – Serie von Gesprächen vor Ort, eingebettet in die Ich-Erzählung einer Reise aus der fernen Barbarik ins Zentrum der damaligen Oikuménē, Einblicke in unterschiedliche Facetten der römischen Gesellschaft zu vermitteln: Stimmungsbilder aus der Welt der ‚kleinen‘ und nicht (mehr) ganz so kleinen Leute, von (auf den ersten Blick) mitunter auch ‚schrägen‘, skurrilen Vertretern (samt Außenseitern) einiger für jede Metropole markanter Berufsgruppen – ihre Sorgen und Träume, Umstände und Bedürfnisse, Leitlinien und Ziele derer, die es ‚geschafft‘ haben, wie derer, die im wiederkehrenden Überlebenskampf mit den Zumutungen eines Molochs stehen – welcher Rom damals schon war. Nicht zuletzt zeigen sich die Damen dort auf ihren gesellschaftlichen Ebenen und auf ihre je eigene, bemerkenswerte Weise als ausgesprochen selbstbewusst, ebenbürtig und lebensbewältigend.

Die jeweils unter ein Motto gestellten Geschichten und Dialoge im Einzelnen gliedern und entwickeln sich aus drei Blickwinkeln: als ‚Germane in Rom‘ zur Zeit des Kaisers Nero läuft unser Autor zunächst beim garum-König von Pompeji auf dem Aventin ein; die – erweiterte – Gastronomie ist durch eine Fast-Food-Wirtin sowie die Mutter einer als locus amoenus ein- und priapeisch ausgerichteten Taverne vertreten, und auch ein Wagenlenker repräsentiert die Unterhaltungsbranche. Der bürgerlichen Welt entstammen ein Lagerverwalter und der Ururenkel von Horazens legendärem Schulmeister. Im zweiten Teil aus dem Umland und als Pendant zur Großstadt – das römische Ämtersystem klingt von ferne an – gesellen sich zum Lager- die Gutsverwalterin, zum garum-Fabrikanten ein Kleinbauer, zum Wagenlenker der Gladiator (samt weiblichem Fan), zur copa tabernalis Trimalchio, König der Freigelassenen (und Selbstdarsteller wie „viele“ im damaligen Germanien ?? – zeitgenössische mallorquinische Parallelen böten sich eher). Naturgemäß fällt in dieser auch deutlich kürzeren Mittelpartie der Spannungsbogen, dem ‚kleinerformatigen‘ Personal entsprechend, etwas ab, aber die Kurve steigt mit der Rückkehr nach Rom wieder an: teils gegensätzliche Bereiche von Körperpflege und Wellness (das Allheilmittel von Neros kretischem Leibarzt und die Klagen einer rechtlosen Kosmetikerin; der soziale Kosmos in der Latrine) oder im erweiterten Rahmen des Showbusiness (Bestattungsmanager und Tänzerinnen-WG in der Subura, Comedian als Sozialaufsteiger oder Edel-Escort in Säulenhallen) ergänzen und runden den ersten Durchgang ab und gipfeln im Gespräch mit dem obersten Staatslehrer der Zeit, dem Stoiker Seneca.

Realienkundliches mischt sich in reichem Maße mit glaubhaft entwickeltem Atmosphärischen und fein beobachtetem Lokalkolorit; kommentierende Beschreibungen zudem von Stimmung, Personal und Ambiente (etwa die Beschreibung eines Parks an einer villa rustica S. 117), aber auch zunächst überraschende Tranfers in modern life (so u.a. opinion leaders S. 15, systemrelevante Berufe, Ultras und Hatespeech S. 31 f. / 219, Speisen to go S. 50, Take-away-Snacks S. 54, Smogglocke S. 80, Stoiker-Softie S. 89, Typberaterin S. 149) werden durchweg getragen von einem heiter bis ironischen und verständnisvoll-empathischen Begleitton. Überhaupt sind in den fein gezeichneten Situationsbildern Gegenwartsbezüge durchweg gesucht, hallen Nachklänge unüberhörbar in die Jetzt-Zeit herüber – vom touristischen Umgang mit lokalem Geschirr bis hin zur Genderfrage (samt generischer Antwort S. 51) und einem Kneipengespräch (S. 53-55), welches inhaltlich wie habituell in jede Moderne passte, der Sorge um Verschwörungstheoretiker (– am Hofe S. 57) oder aber der Umgehung des Tagesfahrverbotes in der City sowie zu Pflasterstand und Spurrillen auf der Via Flaminia (S. 81).

So erhält der/die (noch) Uneingeweihte ebenso absichtsvoll wie beiläufig Auskunft über Entstehungsprozesse (jenseits wenig schmeichelhafter Vorurteile) und Herkunftsregionen der omnipräsenten Würze eines angemessenen convivium, wird Zeuge, dass auch ein veritabler Provinz-Fürst und Werbeprofi in den gehobenen Kreisen der Hauptstadt wieder als homo novus anfängt. Er erhält Einblicke in den ‚Bauch der Stadt‘ (S. 20), das Emporium am aventin-seitigen Tiberufer, in Abläufe, Hafenlogistik und Speicherhallen, von wo aus für Millionen Einwohner der alltägliche Lebensbedarf jeglicher Art gestillt wird – über Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände bis zu Baumaterialien. Er erlebt die Welt des gnadenlosen Fairplay im Circus Maximus, bestimmt von Fluchtafeln, Talentscouts und Rangordnungen auch innerhalb der Rennställe, lernt die Tarifverhandlungen zwischen den ausrichtenden (indes aus eigener Tasche bezahlenden) Beamten und den domini der Blauen, Weißen, Roten und Grünen factio kennen und übernimmt den Blickwinkel des Nachwuchsfahrers – jetzt noch Sklave, bei entsprechenden Erfolgen später Freigelassener – auf der allen gemeinsamen Stallungs- und Trainingsanlage (stabula und trigarium) im Südwesten des Marsfeldes. Nebst einem Schnellimbiss (Spezialität: Kirchererbsenbrei mit Würstchen, samt Rezept S. 54), flexibel ausgerichtet je nach Anspruchs- und Einkommensniveau der Laufkundschaft, mit Filialen und ambulantem Vertrieb, vernimmt er, nicht unvorbereitet aufgrund einschlägiger Graffiti bereits in Pompeji (s.o.), die fürsorglichen Angebote horizontaler Gastronomie einer salax taberna, erzähltechnisch geschickt verklammert und in ‚der Sache‘ vermittelt durch die copa des zuvor besuchten cenaculum. Naturgetreue Szenen (illegalen) Glückspiels fehlen ebensowenig wie Beobachtungen zur sozialen Schichtung in derartigen loci inhonesti und kontrastieren wirkungsvoll zur Lebenswelt einer traditionsreichen Familie von magistri und grammatici → Hor. ep. II 1, 71: Unterrichtsbesuch (privatim und in der Portikus) samt pädagogischem Diskurs gehören zum Pflichtprogramm, und auch hier bleibt die soziale Frage nicht ausgeklammert (S. 70 f.). Wir erleben eine plastische Beschreibung der Doppelmoral im Umfeld der Vestalinnen-Schwesternschaft (S. 156 f.), einen Graffiti-Künstler bei der Arbeit (S. 198 f.) und einen durchaus ironisch-selbstkritischen (S. 218 ff.) Starphilosophen (und Lehrer Neros), der mit seinen Betrachtungen zu Wutbürgern und ‚Umweltverbrauch‘ im Zuge der ‚Globalisierung‘ der römischen Welt einen weitgespannten Reigen in unsere Tagesaktualität hinein abschließt.

Bei allem Bemühen um lebensnahe und nicht zuletzt auch unterhaltsame Situationen, in Gesprächen mit Stimmungsmesser/innen aus ganz verschiedenen Kreisen der ‚normalen‘ Bevölkerung eines antiken Schmelztiegels, mit stetigen Anknüpfungen an moderne Entsprechungen, die er gleichsam ins Heute übersetzt, bietet unser kommunikationsfreudiger ‚Alltags-Kulturtourist‘ ein Füllhorn ‚so nebenbei‘ vermittelten Sachwissens, auf der Couch oder vor Ort – der Begriff bleibt großzügig gefasst. Jedenfalls stellt W. am Ende konsequent mit einem Verzeichnis, welches en detail alle inschriftlichen wie literarischen Quellen und Zeugnisse zu dramatis personae, zu Gegebenheiten wie Hintergründen enthält, sein fabulierendes ‚Histotainment‘ auf eine verlässliche Basis und gibt solchermaßen ein breitgefächertes wie gehaltvolles Panoptikum aus dem bunten Treiben des antiken caput mundi.

Michael P. Schmude,  Lahnstein

Die-Apostelgeschichte-des-Lukas

Die-Apostelgeschichte-des-Lukas

Übergangslektüre(n)  –  Die Apostelgeschichte des Lukas*

von  Michael P. Schmude,  Boppard  

aus: Pegasus VIII/1 (2008), S. 30-41

 

A. Die Frage stellt sich stets aufs Neue, welche Textsorten geeignete Übergangslektüre(n) im Anschluss an den griechischen Sprachlehrgang und vor Beginn der eigentlichen Lektürephase zu bieten vermögen, und die Kolleginnen und Kollegen wissen um das allgemein bekannte Problem beim Übergang von Lehrbuch zu Lektüre, um den sog. ‚Lektüreschock‘: die Schülerinnen und Schüler haben durchweg brav und tapfer die Grammatikpensen ihres Lehrbuchs durchgearbeitet, müssten eigentlich über die sprachlichen Gesetzmäßigkeiten verfügen. Es kommt der erste (geschlossene) literarische Originaltext – und bleibt für (zu) viele Schüler ein Buch mit (zu) vielen Siegeln …

Man hat dem zu begegnen versucht durch den möglichst frühen Einsatz von möglichst eng am Original anliegenden Lehrbuchtexten, was aber wiederum für die Spracherlernung Schwierigkeiten aufgeworfen hat: kein originaler Text ist von seinem Autor zu Lehrbuchzwecken verfasst worden, also auch nicht zu einer möglichst aus dem (begrenzten) Text(abschnitt) heraus ableitbaren Einführung bestimmter grammatischer Erscheinungen wie Satzkonstruktionen, Modusgebrauch oder Deklinationsformen. Und so finden sich für das neu einzuführende sprachliche Phänomen im Lektionstext meist zu wenige aussagekräftige Beispiele, und man ist doch wieder entweder auf künstliche Übungen oder gleich auf entsprechend ausgerichtete und zugeschnittene Gebrauchstexte verwiesen.

Welche literarischen Gattungen sind nun geeignet, einen ‚weicheren‘ Übergang von notwendigen Kunsttexten in der Spracherlernungsphase und darauf folgend angestrebter Originallektüre zu ermöglichen ? Geeignet ggfs. auch schon als Interims-Lektüre an bestimmten Stellen der Lehrbuchphase und darum sinnvollerweise einem Lehrgang wie beispielsweise dem KANTHAROS bereits als Anhang beigegeben – zumal ein Lesebuch wie im Fach Latein der materialreiche PEGASUS von Friedrich Maier im Griechischen noch aussteht ?

 

B. Lektürebeispiele und –reihe: denkbar wäre eine Auswahl aus

1.) Anekdoten, kleinen, für sich eingrenzbaren Geschichten, wie etwa Kleobis und Biton (Herodot, Historien 1, 31, 2-5); Solons Gesetzgebung (Aristoteles, Staat der Athener 5, 1-2; 6, 1; 7, 1; 11, 1) oder die Fahrt zum Mond (Lukian, Verae historiae 1, 9–12); die 1. Lysias-Rede; Episoden aus der Bibliothek Apollodors um Herakles, Theseus u.a. oder auch Partien aus Longos’ Daphnis und Chloe.

2.) Fabeln: „Schlau wie ein Esel oder dumm wie ein Fuchs ? Wie bitte ? Nein, Fuchs und Esel dürfen niemals ihre Rollen tauschen: Die tierischen „Helden“ der antiken Fabel bleiben sich immer gleich und scheinen unverwüstlich. In der späteren Literatur, bis in die Gegenwart hinein, wurden sie immer wieder gerne aufgegriffen: Die einfachen Charaktere, die formale Schlichtheit und die klaren moralischen Lehren der Fabel reizen zur Nachahmung, zum Widerspruch, zur Travestie – und sie machen die Fabel zur idealen Anfangslektüre in der Schule“ (aus den RAAbits II/C1, Autoren 2). Daneben ist reizvoll auch einmal eine ganz untypische Fabel, in welcher die Tiere eben nicht Träger feststehender Eigenschaften sind, sondern ihr Handeln sich aus unterschiedlichen Lebensräumen ergibt: Aesops Adler und Fuchs, die Auftaktfabel der Hausrathschen Sammlung; eine Auswahl weiterer aesopischer Fabeln (33 III; 49; 60 II; 71; 177 Hausrath; 177; 179 Halm) im Textanhang des Kantharos S. 159.

3.) ‚Kleinere‘, einführende philosophische Themen: Solon und Kroisos zum ‚glücklichsten‘ Menschen (Herodot, Historien 1, 29-33); Sokrates über sein Nichtwissen und seinen Dienst an der Stadt (Chairephon und das Orakel von Delphi)1.

Nun sind Fabel und Anekdote als ‚kleine Gattungen’ schon im Lateinischen für eine Interims- und/oder Übergangslektüre unstrittig. Neben weiteren von den Kolleginnen und Kollegen eingesetzten oder denkbaren Partien sind im Besonderen auch sinnvolle und mögliche Zeitansätze zu diskutieren, denn es  liegt auf der Hand, dass das Interesse der Schülerinnen und Schüler hieran nach einer Weile dann auch seine Grenzen erreicht. Und so bietet dieser (keineswegs einheitliche) Punkt der Lektüre Anlass und Gelegenheit, zu einem ersten geschlossen fortschreitenden Textcorpus hinzuführen, der

4.) Apostelgeschichte des Lukas: diese berührt mit ihrem Inhalt, ihren zumindest in Umrissen bekannten Gestalten und Geschichten die eigene Lebenswelt der Schüler durchaus und nicht zuletzt auch im Kontrast mit heute fremdartigen Gepflogenheiten und Lebensverhältnissen2 und kommt ihnen zugleich durch ihre sprachlich eher schlichte (dabei nahe am Attischen und alle Phänomene bietende) Gestalt der Koiné noch ein Stück weit entgegen.

 

C. Zur Einführung: Die Apostelgeschichte wird von Lukas selbst (Apg 1, 1) als zweites Buch seines Geschichtswerks bezeichnet. Das Evangelium schließt mit der Himmelfahrt Jesu in Bethanien; die Apostelgeschichte beginnt mit dem gleichen Ereignis – freilich auf dem Ölberg (Apg 1, 12) in der Nähe von Jerusalem. Sie dürfte um 90 n. Chr., etwa zehn Jahre nach dem Evangelium, abgefasst sein; der Entstehungsort lässt sich für beide Schriften nicht bestimmen.

1.) Der (uns ansonsten gleichfalls unbekannte) Heidenchrist Lukas3 adressiert das zusammenhängende Gesamtwerk an einen nicht genauer fassbaren Theophilus, eine zu ihrer Zeit möglicherweise hochgestellte Persönlichkeit, welchem der Autor die neue Lehre nahe bringen und über dessen Einfluss ihre Verbreitung weiter befördern möchte. Er schreibt ein quellenkritisch recherchiertes und geordnetes, (ursprünglich) selbständige Einzeltraditionen und –nachrichten in einen Zusammenhang stellendes und ausrichtendes, damit nahe an seine und seines Lesers Theophilus erlebte Gegenwart heranreichendes, literarisch abgeschlossenes Werk aus theologischer Lehrabsicht für außenstehende, aber nicht ohne Kenntnis interessierte Nichtchristen. Dieses gibt sich als geschichtliche Darstellung – man hat sogar an eine Verteidigungsschrift des (Juristen) Lukas für Paulus’ Prozess in Rom gedacht; es ist mit seinen Formelementen hellenistischer Geschichtsschreibung literarisch am ehesten der antiken historischen Monographie zu vergleichen, trägt aber erkennbare Züge der Heldenlegende im Stile etwa des Alexanderromans4. Das Geschichtsbild des Lukas folgt dabei einem dreiteiligen Heilsplan Gottes:

  • die Zeit Israels und seiner Propheten (→ AT) endet als Zeit der Erwartung mit Johannes dem Täufer (Lk 3)
  • die Zeit Jesu (← Lukas-Evangelium) als „Mitte der Zeit“ (Conzelmann; Löwith) ist angekündigt und vorbereitet im AT und bildet idealtypisch die zukünftige Gotteswelt vorweg ab, indem der Satan hier keine Macht über Menschen hat (vgl. Lk 4, 1-12)
  • die Zeit der Kirche beginnt mit dem Pfingstereignis (Apg 2) und endet mit der (verzögerten) Parusie.

In dieser ‚Choreographie’ des Heiligen Geistes behandelt das Lukas-Evangelium Wirken und Schicksal (Leiden5, Auferstehung und Himmelfahrt) Jesu sowie die Apostelgeschichte deren Bezeugung durch die Jünger. Johannes der Täufer verheißt Rettung Israels durch Sündenvergebung, Jesus ruft im Evangelium (insbes.) die Sünder, die Apostel alle Völker zur Umkehr und verkünden den Glaubenden die Generalamnestie ihrer Sünden: die Wiedererrichtung der „Hütte Davids“ wird somit Grundlage der Heidenmission (Apg 15, 16 f.). Der Grobaufriss unterteilt die Apostelgeschichte in die Zeit der Urgemeinde und Mission Antiochias (c. 1-14) sowie das Wirken des freien (c. 15-21) und des gefangenen (c. 21-28) Paulus; eine Gliederung der Apostelgeschichte gibt indes Jesus bereits 1, 8 mit dem Auftrag an die Apostel, Zeugen zu sein a) in Jerusalem (Apg 1-5 Gemeindebildung), b) in ganz Judäa und Samaria (Apg 6-12 Mission ebda.) und c) bis zum Ende der Erde (Apg 13-28)6. Das Buch endet mit dem ‚Triumph’ des Paulus (Apg 28, 30 f.) in Rom – sein Martyrium war bereits Apg 20, 22-25 angekündigt worden: die Apostelgeschichte findet ihr Ziel mit dem ungehinderten Wirken des gefangenen Paulus in der Welthauptstadt7, das Programm (Apg 1, 8) richtet das Geschehen „bis ans Ende der Erde“.

 2.) Aufriß:

c. 1 – 12   Die Zeit der Urkirche (Zentrum: Petrus und Jerusalem)

1 – 2   Himmelfahrt; Pfingstereignis (2, 14-36: Predigt des Petrus); Anfänge der Urgemeinde

3 – 5   Worte und Taten der Apostel in Jerusalem

6 – 7   Predigt und Martyrium (Steinigung) des Stephanus; Verfolgung der Gemeinde (Saulus)

8 – 12   Beginn der Heidenmission als Folge der Christenverfolgung in Jerusalem: Samaria und Antiochien ( Philippus 8, 4 ff.; Damaskus-Erlebnis des Saulus 9, 3 ff.; Petrus und Cornelius 10; Gründung der Gemeinde in Antiochien durch versprengte Jerusalemer Christen und Barnabas 11, 19-26)

c. 13 – 28   Die Weltmission des Paulus (13, 9: Saulus → Paulus) (Zentrum: Paulus, die Völkerwelt und Rom)

13 – 14   Erste Missionsreise (Antiochien und Kleinasien; Steinigung des Paulus in Lystra 14, 19)

15   Apostelkonzil: Anerkennung gesetzesfreier Heidenmission (Zerwürfnis mit Barnabas 15, 39; ← Silas)

16 – 18   Zweite Missionsreise (Kleinasien, Griechenland = Übergang 16, 11 nach Europa. 16, 19 ff.: Verhaftung in Philippi; 17, 22-31: Areopagrede des Paulus)

19 – 21   Dritte Missionsreise (Kleinasien, Griechenland; 19, 23 ff.: Aufruhr der Silberschmiede in Ephesus)

21 – 28   Über Jerusalem und Caesarea nach Rom; Gefangenschaft ( 21, 27 ff.: Festnahme in Jerusalem; 22, 1-21: Begründung seines Auftrags vor den Juden; 23, 11: Auftrag zum Martyrium in Rom [27, 24]; 24: Prozess in Jerusalem vor Hananias und dem römischen Statthalter Felix; 25, 10-12: in Caesarea bei Festus Antrag auf Appellation vor dem Kaiser in Rom; 27 – 28, 15 Seereise).

 3.) Literarische Eigenart(en): Lukas arbeitet mit modellhaft gestalteten und wiederkehrenden Szenen: a) Apg 2 Pfingsten: Wunder – erklärende Missionsrede – Reaktion der Adressaten; b) Apg 10 Bekehrung eines Nicht-Juden, hier: des römischen Hauptmanns Cornelius – durch Petrus !8; c) Missionsreisen (Apg 13 f.): in der fremden Stadt besucht Paulus zuerst die Synagoge und verkündet den Juden aus dem Alten Testament Jesus als den Christus – dagegen erfolgt nach einer gewissen Zeit Widerspruch der Juden, zugleich Zustrom heidnischer Hörer – Paulus wendet sich von den Juden ab und den Heiden zu; d) Apg 4, 1-23 hat eine mirakulösere ‚Parallelfassung’ in Apg 5, 17-42 (Rezension B, s.u.). Die Damaskusgeschichte Apg 9, 3-19 wird noch zweimal (Apg 22, 5-16; 26, 12-19) wiederholt – mit Variationen entsprechend der beabsichtigten (apologetischen) Botschaft9.

In der Quellenfrage10 bieten historisch wohl zuverlässige Berichte eine jerusalemisch-cäsareensische Quelle für Apg 3, 1 – 5, 16; 8, 5-40; 9, 31 – 11, 18; 12, 1-23 (der Evangelist Philippus ?) sowie eine antiochenisch-jerusalemische Quelle für Apg 6, 1 – 8, 4; 11, 19-30; 12, 25 – 15, 35 (Silas ?), die sogen. „Rezension A“ (Harnack). Im ersten Teil seines „Geschichtswerks“ (Apg 1-12) verwendet Lukas etwa ein Dutzend selbständiger Geschichten (aus Antiochia ?), die er aber nicht einfach sozusagen parataktisch miteinander verknüpft, sondern durch umfassende ‚Summarien’ (s.u.) ins Grundsätzliche erhebt. Die Partie Apg 16-28 enthält zwar die „Wir-Berichte“, welche Augenzeugenschaft vermitteln wollen, den ‚roten Faden’ insbes. für Apg 13-21 dürften Aufzeichnungen eines oder mehrerer Begleiter des Paulus, möglicherweise zusammengefasst zu einem ‚Itinerar’, vorgegeben haben11, Quellencharakter besitzen die Reiserouten gleichwohl nicht.

Kompositorische Verknüpfungen, z.B. die Einfügung weniger Bemerkungen über Saulus in das Stephanus-Martyrium (Apg 8, 1.3) zur Vorbereitung der Damaskus-Episode (Apg 9, 1-30) – darin spannungserzeugende (9, 9) wie retardierende (9, 13 f.) Momente –  sollen ebenfalls einen ‚historischen Zusammenhang’ stiften, mit dem Apostelkonzil des c. 15 als Dreh- und Angelpunkt zweier Perioden: derjenigen der Urgemeinde des Petrus und Jakobus (historisch einmalig und damit abgeschlossen in Himmelfahrt Christi, Apostelkreis, Mosegesetz und Gütergemeinschaft), welche diejenige der Heidenmission des Paulus (weltoffen und gesetzesfrei) vorbereitet und hier legitimiert, beide in der Kontinuität der Herrschaft des Heiligen Geistes und des Wirkens des Paulus. Neben dem Apostelkonzil leisten Verzahnungen auch die eigentliche Begründung der Heidenmission durch die Hellenistenführer Stephanus (Apg 6, 5.8 in Jerusalem) und Philippus (Apg 8, 5 f./40 in Samaria), ihre erste Übernahme durch Petrus (Apg 10, 34 f.) sowie die Gemeinde in Antiochia als Ausgangspunkt für Paulus12.

Die Einlage von Reden an Stellen ohne unmittelbaren situativen Bezug oder Notwendigkeit, aber zur Deutung des Geschehens im Ganzen wie die Areopagrede, Stephanus (Apg 7, 2-53) oder Paulus in Milet (s.u. ,Testament’) entspricht bester historiographischer Tradition (← Thukydides). Sie stammen also vom Autor selbst und folgen festen Typen:

  1. Missionsansprachen des Petrus an Juden: Anknüpfung an das AT, christologisches Kerygma, Schriftbeweis und Heilszuspruch mit Bußruf (vgl. Paulus in Apg 13).
  2. Stephanusrede Apg 7 (Synagogenpredigt) – ein kritischer Überblick über die Geschichte Israels zur Begründung der Heidenmission.
  3. Areopagrede (Apg 17, 22-34): eine paulinische Missionsansprache vor Heiden.
  4. Eine typische Abschiedsrede des Paulus (Apg 20, 17-38) vor den ephesinischen Gemeindeältesten in Milet als Abschluss seiner Mission („der ideale Gemeindeleiter“).
  5. Verteidigungsreden des gefangenen Paulus: Christentum und römischer Staat stehen in keinem Widerspruch.

Das missionarische Anliegen der dem Petrus (Apg 2. 3. 5. 10) oder Paulus (Apg 13) in den Mund gelegten Predigten indes ist bei antiken Historikern nicht zu finden; es entspricht der Absicht ihres Verfassers, literarisch für den neuen Glauben zu werben. So wird in der Areopagrede durch absichtsvolle Parallelen das Mittel der ‚indirekten Aussage’ angewandt, um den Werdegang des Paulus in eine Linie mit dem Schicksal des Sokrates zu setzen; Paulus wie sein ‚Vorgesetzter’ Petrus sind keine individuellen Figuren, sondern entsprechen dem Idealbild des theíos anēr13. Die Gefangenschaft des Paulus in Jerusalem und Caesarea gibt Gelegenheit zu drei Apologien des Christentums: vor der Volksmenge in Jerusalem (Apg 22, 1-21), vor dem Hohepriester Hananias und dem römischen Statthalter Felix (Apg 24, 10-21) sowie vor dessen Nachfolger Festus und König Agrippa (Apg 26, 1-23). Die Verstocktheit14 des Volkes Israel gegenüber Moses und den Propheten (← Stephanus) wiederholt sich gegenüber dem Messias Jesus und seinen Aposteln15, wenngleich man sich mit der strengstgläubigen jüdischen Richtung der Pharisäer in der Auferstehungshoffnung trifft16. Zwischen den örtlichen römischen Behörden und der christlichen Gemeinde wiederum besteht Einvernehmen – römische Beamte werden als korrekt handelnde gezeigt17, sprechen Paulus und damit auch die Christen von den Vorwürfen der jüdischen Priester und Ältesten frei18; die Einheit unter dem Imperium Romanum dient der weltweiten Verbreitung der Heilsbotschaft, und bis zur Parusie (Apg 1, 11; 3, 20 f.) muss mit diesem ein Auskommen gefunden werden (Apg 28, 31)19. Auch heidnische Kultur, insbes. griechische Philosophie20 und Dichtung21 finden durchaus Aufnahme. Buße und Bekehrung (Apg 3, 19) sowie Vertrauen auf den Herrn22 sind Voraussetzung für Taufe und Sündenvergebung (Apg 2, 38), um von Christus, welcher den Heiligen Geist ausgießt (Apg 2, 33)23 und Herr über das Leben ist (Apg 3, 15; 5, 31), im Jüngsten Gericht (Apg 10, 42; 17, 31) als Glaubender (Apg 15, 11) dessen im AT angekündigte24 Auferstehung zu erlangen.

Die heilsgeschichtlichen Zusammenfassungen, verallgemeinernde Sammelberichte zu paradigmatischen Einzelereignissen, „Summarien“25 zeichnen ein idealisiertes Bild der frühen Urgemeinde (‚Goldenes Zeitalter – Motiv’), so etwa der Eigentumsverzicht des Barnabas (Apg 4, 36 f.) zugunsten der „Schar der Glaubenden“ als Ausdruck des Jerusalemer ‚Liebeskommunismus’ (Apg 4, 32-35). Volksversammlungen, Gerichtsszenen, Wirtschaftskämpfe und Handwerk, Tempeldienst und Philosophenschule, aber auch Vertreter aller sozialer Schichten sollen der Darstellung realistische, lebensnahe Züge verleihen: im Ganzen vermittelt die Apostelgeschichte das Bild, welches man sich am Ende des 1. Jh. von der Zeit der Apostel machte26.

Eine verlässliche Historie des Urchristentums, offenbar kein Bedürfnis der jungen Gemeinde, ist mithin aus der Apostelgeschichte nicht zu gewinnen, sie bleibt in ihrer literarischen Eigenart wie in ihrer Geschichtsversion ohne Nachahmung. Der Darstellung der paulinischen Mission in drei Missionsreisen – einzig Apg 27/28 schildern eine tatsächliche27 Seereise (mit Schiffbruch bei Malta28 Apg 27, 41 – 28, 2) – widersprechen die Paulus-Briefe, welche der Verfasser der Apostelgeschichte auch sonst nicht benutzt: der Theologe Paulus aus den Briefen (Gesetzeslehre) und der Missionar der Apostelgeschichte erweisen sich als zwei Personen29. Andererseits erhält die Apostelgeschichte im Verlauf der Kanonbildung des NT den Charakter einer (späteren) Klammer zwischen Evangelien und Briefen30.

Zusammen mit dem Lukas-Evangelium legitimiert die Apostelgeschichte die junge Gemeinde mittels ihrer apostolischen Tradition und Sukzession als Vertreterin Gottes auf Erden; das lukanische Doppelwerk gibt so „der Kirche in Form einer Historie ihrer Vergangenheit den Mythos ihrer Autorität“31.

 

*Arbeitskreis „Griechische Übergangslektüre(n)“ des DAV-Bundeskongresses vom 25.-29. März 2008 in Göttingen (dazu auch im Kongressbegleitheft S. 81). Der Einführungstext C. ist um einige Binnenpartien sowie den wissenschaftlichen Apparat (Belegstellen, Anmerkungen, Literatur) erweitert; die Ergebnisse von Diskussion und Gruppenarbeit sind aufgenommen.

 

Anmerkungen:   1Platon, Apologie 20e 6 – 23c 1; je nach ‚Kurslage‘ kann die Partie 21e 3 – 22e 5 auch von Schülerseite aus einer Übersetzung oder als kurze Inhaltsparaphrase gegeben werden. – 2Gesellschaftsaufbau, Gedankenfreiheit, Einstehen für die eigenen Erkenntnisse und Überzeugungen, um nur wenige zu nennen. Die Behandlung der Apostelgeschichte mit den Schülerinnen und Schülern steht unter historischen und literarischen Gesichtspunkten; theologische Gedankengänge der folgenden Einführung C. richten sich allein an die Lehrperson. – 3Diskussion bei O. Stählin 1180-83. Er spricht etwa in Apg 16, 9 f./16; 20, 13-15; 21, 1-18; 27 f. als zeitweiliger Begleiter des Paulus in der ersten Person (Norden 483), kaum quellentauglich; der in Phlm 24 erwähnte Lukas kommt als Verfasser ebenso wenig in Frage wie der „Arzt Lukas“ (noch bei Norden 482) aus Kol. 4, 14 und 2 Tim 4, 11, mit welchem der Lyoner Bischof Irenäus Ende des 2. Jh. die kirchliche Tradition begründet hatte (Haenchen 504). – 4Res gestae …; der seit dem Ende des 2. Jh. bezeugte Titel práxeis apostólōn (Norden 481) stammt nicht vom Verfasser. – 5Gottgewollt (← AT) Apg 4,28; 13, 27; 17, 3; 26, 22 f. – 6Weltmission des Paulus: Apg 13 f. „Vorspiel“ – Paulus und Barnabas, Apg 15 theologische und „kirchenrechtliche“ Basis für die Heidenmission, Apg 16-28 Paulusreisen. – 7Haenchen 502. – 8Auf dem Apostelkonzil erklärt sich Petrus selbst zum ersten Heidenmissionar (Apg 15, 7-11), die Befreiung der Nichtjuden vom Mosegesetz wird von Jakobus unter Auflagen (Apg 15, 20/29; 21, 25) bestätigt, das junge Christentum emanzipiert sich erstmals als eigene Religion neben dem Judentum (Wilckens 447). – 9Haenchen 502; Ereignisse des c. 10 werden in c. 11, 1-17 berichtet, teils wörtlich wieder aufgenommen (Apg 10, 9-16 = 11, 5-10). – 10Norden 482-85; O. Stählin 1179-83; Wilckens 391; Vielhauer 385-93; Conzelmann/Lindemann 271-73; Rengstorf/Stählin 265 f.; Dihle 224; zur Textüberlieferung Haenchen 501, Vielhauer 381 f. – 11Dibelius 64; Haenchen 504; Vielhauer 71, 388. – 12Wilckens 392. – 13Haenchen 503; Wilckens 456 f.; Scholl 101; „auch wir sind Menschen“ Apg 10, 26 (Petrus); Apg 14, 15 (Paulus u. Barnabas). – 14Gottgewollt Apg 28, 26-28. – 15Sie führt in der Folge zur Hinwendung zu den Heiden (Apg 13, 46; 18, 6; 19, 9; 28, 25-28). – 16Apg 23, 6-9; 24, 15; 26, 5-8. – 17Apg 16, 37-39; 18, 14-16; 22, 25-29; 23, 23-30; 24, 22 f.; 25, 4 f./18-21. – 18Apg 24, 24-26; 25, 25; 26, 30-32; 28, 18. – 19Dihle 223; auch die Katastrophe des J. 70, die Zerstörung des Tempels durch die Römer unter Titus, ist selbstverschuldete Folge der Unfähigkeit des Volkes Israel, die mit Jesus einsetzende Friedenszeit zu erkennen (Lk 19, 41-44). – 20Etwa Apg 7, 48-50; 17, 25 das stoische Ideal in der Bedürfnislosigkeit Gottes. – 21Apg 26, 14 = Eur. Bacch. 795; Apg. 17, 28 = Arat Phain. 5. – 22Apg 10, 43; 11, 17; 16, 31; 20, 21; 26, 18. – 23Vom Heiligen Geist erfüllt Apg 2, 2-4; 4, 31; 10, 10-16/44-46; 11, 5; 13, 9; 19, 6 – oder noch nicht Apg 8, 16. – 24Apg 1, 3; 2, 31; 13, 35. – 25Apg 2, 42-47; 4, 32-35; 5, 12-16. – 26Haenchen 505. – 27Möglicherweise aber doch auch nach einer außerchristlichen literarischen Vorlage: Norden 483; Dibelius 64; Vielhauer 392; Conzelmann/Lindemann 273. – 28Hierzu H.C.R. Vella: Quintinus (1536) and St. Paul’s shipwreck in Malta, in: Melita historica 8 (1980) 61-64. – 29O. Stählin 1181; Vielhauer 391 f.; Conzelmann/Lindemann 275 f. – 30Wilckens 391, anders Vielhauer. – 31Wilckens 392 f.; Vielhauer 406.

 

Literatur: KANTHAROS: Griechisches Unterrichtswerk, von W. Elliger, G. Fink, G. Heil, Th. Meyer (Stuttgart/Klett 1982 [ND]); PEGASUS: Das lateinische Lesebuch der Mittelstufe, bearb. von F. Maier (Bamberg/Buchners 2002 [Antike u. Gegenwart]); RAAbits – Impulse u. Materialien Latein, II: Übergangsphase/C: Lektüren 1 – Autoren 2: Phaedrus, Fabeln von S. Duscha (Stuttgart/Raabe 2007).

Novum Testamentum Graece, edd. E. Nestle et K. Aland (Stuttgart 251975); Lukas: Evangelium u. Apostelgeschichte, griechischer Text (Aland) mit Übersetzung [Lk: H. Rengstorf, Apg: G. Stählin] (München 1977); Das NT übers. u. komm. von U. Wilckens (Hamburg 1970); A. Harnack: Die Apostelgeschichte, in: Beiträge zur Einleitung in das NT III (1908); Ed. Norden: Die antike Kunstprosa vom 6. Jh. v. Chr. bis in die Zeit der Renaissance, Bd 2 (Leipzig/Berlin 21918 [ND]); GGrLit, bearb. von W. Schmid u. O. Stählin, Teil 2: Bd 2 (München 61924 [ND; HdA VII 2, 2]); M. Dibelius: Aufsätze zur Apg, in: Forschungen zur Religion u. Literatur des AT und NT 60 (1951); H. Conzelmann: Die Mitte der Zeit. Studien zur Theologie des Lukas, in: Beiträge zur historischen Theologie 17 (1954); E. Haenchen s.v. <Apostelgeschichte>, in: Die Religion in Geschichte u. Gegenwart, Bd 1 (Tübingen 31957); K. Löwith: Weltgeschichte u. Heilsgeschehen – die theologischen Voraussetzungen der Geschichtsphilosophie (Stuttgart 41961 [ND 2004]), 168-174; Ph. Vielhauer: Geschichte der urchristlichen Literatur (Berlin/New York 1975 [ND 1981]); H. Conzelmann, A. Lindemann: Arbeitsbuch zum NT (Tübingen 21976); A. Dihle: Die griechische u. lateinische Literatur der Kaiserzeit – von Augustus bis Iustinian (München 1989); N. Scholl: Lukas u. seine Apg – die Verbreitung des Glaubens (Darmstadt 2007).

 

Glossar:

Damaskuserlebnis: dem Saulus, welcher im Zuge der ersten systematischen Christenverfolgung diese über Jerusalem hinaus bis nach Syrien verfolgt, erscheint Christus, wirft ihn nieder und blendet ihn. Saulus erkennt seinen Herrn und erhält Anweisungen zur Taufe in Damaskus als künftiger Herold Jesu (Apg 9, 3 ff.).

Gesetz: Bezeichnung für die im Pentateuch, den 5 Büchern Mose, gesammelten, auf die Gottesoffenbarung am Sinai begründeten Weisungen, allgemeiner auch für die Mosebücher als Ganzes.

Hebräer: ursprgl. die Vorfahren Israels in Ägypten bis zum Auszug (Exod 5, 3), aber auch die Völkerschaften, die sich unter Saul gegen die Philister stellen (1 Sam 14, 21), später archaisierender Ehrenname für die Israeliten, welche die väterliche Lebensweise gegenüber dem Hellenismus bewahren; in Apg 6, 1 die in Palästina geborenen und ansässigen, aramäisch sprechenden Juden, im Unterschied zu den

Hellenisten: aus der Diaspora nach Jerusalem zurückgekehrten, griechisch sprechenden Juden mit eigener Synagoge (Apg 9, 29), die auch innerhalb der christlichen Urgemeinde eine Gruppe bilden (ihre Führer sind Stephanus und Philippus, Apg 6, 5).

Heidenchristen: im Unterschied zu den Judenchristen, welche sich den Weisungen des (Mose-)Gesetzes weiterhin verpflichtet sehen, stellen sich die Heidenchristen in die Linie der Gesetzeskritik Jesu und sehen das Gesetz für neu bekehrte Heiden nicht als verbindlich an. Nach Paulus (Röm 10, 4) ist Christus das Ende des Gesetzes als Heilsweg, an dessen Stelle Glaube und Freiheit treten (Gal 5, 1).

Heilsgeschichte: Heilshandeln Gottes an seinem Volk innerhalb der Weltgeschichte, im Judentum der Bund Jahwes bis zur Landnahme der Väter und Kultstiftung (um 1200 v. Chr.), im NT das Christusgeschehen bis zum Kommen des Menschensohns (Löwith).

‚Hütte Davids’: gemeint ist der jüdische Tempel in Jerusalem.

Itinerar: Aufzeichnungen der Paulusreisen mit Notizen über Reisestationen (Landschaften, Städte), Gastfreunde, Dauer oder Erfolge der Mission.

Jerusalemer ‚Liebeskommunismus’: nicht ganz unumstrittene (Haenchen 505) Charakterisierung des Zusammenlebens der frühen Urgemeinde mit Verzicht auf Eigentum, Gütergemeinschaft und  Verpflichtung zu wechselseitiger Fürsorge.

Kerygma: Predigt / Verkündigung der heilsschaffenden Botschaft von Jesus Christus.

Parusie: Wiederkunft Christi als Richter am Ende der Weltzeit (Mt 24; Lk 12, 35-48).

Pharisäer: jüdische Religionspartei seit dem 2. Jh. v. Chr., welche die strengen Reinheitsgesetze des AT auch im Alltag praktizierte, geführt von der Gruppe der Schriftgelehrten (‚mündliche Tora’ als Auslegung des Gesetzes für die Gegenwart mit Berufung auf Mose); auch in der Urgemeinde vertreten (Apg 15, 5), mit Messiaserwartung, Hoffnung auf Auferstehung der Toten (Apg 23, 6-9; 24, 14 f.) und auf Bestehen im Jüngsten Gericht durch Gesetzestreue und gute Werke.

Rezension: in der Textkritik das Bemühen, durch Abgleich unterschiedlicher überlieferter Lesarten wieder eine möglichst nahe an die Originalversion heranreichende Fassung eines antiken Textes zu erstellen.

Schriftbeweis: Erklärung von Gegenwärtigem aus seiner Ankündigung im AT.

Urchristentum: die neue Bewegung in ihren ersten beiden Generationen zwischen 30 und 100, noch unter dem zumindest indirekten Einfluss der Gründerfiguren und im Entstehungszeitraum der wichtigsten Schriften des NT. Der noch ganz im jüdischen Kult verankerten Urgemeinde unter der Leitung des Petrus und der Zwölf in Jerusalem (Apg 2-6) steht bald eine Gruppe von Griechisch sprechenden, gesetzeskritischen Diasporajuden gegenüber. Angehörige dieser ‚Hellenisten’ (Apg 6, 1, s.o.), Opfer der ersten Christenverfolgung unter Saulus nach dem Stephanus-Martyrium (Apg 8, 1 ff.), missionieren sodann in Judäa und Samaria (Philippus) und bis nach Antiochia in Syrien (Apg 11, 19 ff.), wo es zu einer gemischt juden- und heidenchristlichen Gemeinde und damit einem zweiten, hellenistischen Zentrum kommt. Dieses wird, endgültig abgesegnet im Jerusalemer Apostelkonzil d. J. 48, zum Ausgangspunkt der Heidenmission des Paulus und Barnabas.

 

D. Leitfragen – Leitaspekte einer Lektüre der Apostelgeschichte, mit Vorschlägen aus der arbeitsteiligen Sichtung und gemeinsamen Diskussion im Arbeitskreis; diese können den Bedürfnissen der Lerngruppe und den zeitlichen Vorgaben entsprechend zu einer je ‚individuell’ strukturierten Lektüresequenz ausgewählt und kombiniert werden:

  • Judenchristen – Heidenchristen – Hellenisten

Apg   6 : Trennung Hebräer – Hellenisten.

Apg  10, 34 ff.: Petrus zu den Heidenchristen (s.u.).

Apg  15 : Apostelkonzil – ta éthnē (12) – Beschluss mit Brief und Minimalforderung als Kompromiss (23-29).

Was interessiert (möglicherweise) die Schülerinnen und Schüler ?

Integration von ‚Fremden’ – Wie wichtig sind uns unsere eigenen Traditionen ? Wie gehen wir damit um, wenn Andere etwas für „unverzichtbar“ halten (z.B. Kopftuch) ? – Wie hältst Du es mit der Religion ?

  • Gemeindestrukturen – Gemeindeverfassung  

Apg 2, 44-47 Eigentumsverzicht; Apg 6, 1-6 Fürsorgepflicht; Apg 15, 6-22 Konzil.

  • Reden: a) Einbettung und Funktion für den Kontext – b) verschiedene Typen – [optional] c) ihre Theologie.

Pfingstpredigt des Petrus – Areopagrede (Missionspredigt) des Paulus – Paulus vor den Juden in Jerusalem (Apg 22, 1-21, Apologie).

  • Persönlichkeitszeichnung und –entwicklung(en)

Damaskuserlebnis Apg 9, 1-9: vom Saulus zum Paulus;

Apg 10, 34-48: Petrus’ Annahme (auch) der Heidenmission.

  • Neben-‚Helden’ der Apostelgeschichte. Frauen und ihre Rolle  

Philippus – Barnabas – Silas. Lydia (Apg 16, 13 ff.); hochgestellte Frauen unter der Zuhörerschaft des Paulus (Apg 17, 4. 12): Drusilla – Frau des römischen Statthalters Felix (Apg 24, 24), Berenike – Schwester des Königs Herodes Agrippa II. (Apg 25, 23 / 26, 30); Prophetinnen – Töchter des Hellenisten Philippus (Apg 21, 9).

  • Welche Wege nimmt die Mission (‚Schaltstellen’)  

Übergang nach Europa (Apg 16, 11 f.) → Griechenland, Malta → Rom (Apg 28).

  • Vertreter Roms und die neue Gemeinde  

Apg 10 Bekehrung des Centurio Cornelius; Apg 18, 1-17 in Korinth hält sich der Statthalter Gallio aus den innerjüdischen Streitigkeiten heraus.

Apg 22, 25-30 Gefangennahme und Prozess des Paulus: Bürgerrechtsfrage; Apg 25, 11 f.: Appellation an den Kaiser → Überstellung nach Rom.

  • Neue Religion („Der neue Weg“) und Altes Testament → Reden.
  • Heilungswunder der Apostel und Wunderzeichen Gottes, Visionen 

Apg 3, 1-10: Petrus und der Gelähmte; Apg 9, 36 ff.: Auferweckung der Tabitha – relativ ausführlich narrativ und ‚spektakulär’, darum exemplarisch.

Apg 12, 6-10: Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis in Jerusalem durch den Engel des Herrn; Apg 16, 25 ff. des Paulus und Silas in Philippi durch ein Erdbeben.

Apg 9, 10-16 Vision des Hananias (zu Paulus); Apg 10, 9-16 des Petrus (zu Cornelius).

 

 E. Vorschläge für eine Lektüre-Reihe:

Apg. 1, 1-14:   Himmelfahrt Christi.

15-26:   Ansprache des Petrus an die Jünger (Tod  des Judas) und Erneuerung des Zwölferkreises durch Zuwahl des Matthias.

Apg. 2, 1-14:   Pfingstwunder.

14-36:   Pfingstpredigt des Petrus an die Juden von Jerusalem (Auferstehung und Erhöhung Jesu, Ausschüttung des Heiligen Geistes – als Erfüllung der at-lichen Joel- und David-Prophetie).

37-47:   Wirkung auf die Juden: erste christliche Gemeinde in Jerusalem.

Apg. 6, 8-15:   Auftreten und Wirken des Stephanus (7, 2-53 Predigt des Stephanus wider das Judentum zur Väter- und Prophetenzeit des AT – ohne Bezug zur aktuellen Situation, der Anklage vor dem Hohen Rat, dem Synhedrion).

7, 54-60:   Stephanus erster Märtyrer: Steinigung (mit Billigung des Saulus).

8, 1-3:    Erste Christenverfolgung durch Saulus in Jerusalem.

Apg. 9, 1-30:   Damaskuserlebnis: von Saulus zu Paulus; Beitritt zum   Apostelkreis.

Apg. 10, 34-47:   Bekehrung des ersten Heiden – des römischen Centurio (10, 1) Cornelius – durch Petrus: Erkenntnis der gottgewollten Heidenmision auch bei Petrus und gegenüber den anwesenden Judenchristen.

11, 1- 4a:   Verteidigung des Petrus vor den Judenchristen in Jerusalem und

11-18:   Bekenntnis zur Heidenmission.

Apg. 15, 6-33:   Apostelkonzil in Jerusalem: ‚Absegnung’ der gesetzesfreien Heidenmission.

Apg. 17, 22-31:   Areopagrede: christlicher Glaube und griechische Philosophie.

Apg. 22, 1-21:   Verteidigungsrede des Paulus vor den Juden in Jerusalem und Begründung seines Auftrages zur Heidenmission.

Apg. 25, 7-12:   Antrag des Paulus auf Appellation vor dem Kaiser in Rom.

Apg. 27, 39 – 28, 6:   Schiffbruch vor Malta, Rettung und ‚Schlangenwunder’ – Ankunft im Abendland.